Geschichten und Gedichte von Franz Lorber

Das Mondmännchen und seine Luftballons

Das Mondmännchen uns eine Luftballons ...

Kindergeschichten ausgedacht und aufgeschrieben

 

1.  Das Mondmännchen ...

Wenn der Vollmond nachts durch die Gardinen in die Fenster der schlafenden Kinder hineinleuchtet, dann kann man den Mann im Mond nicht nur sehen, sondern man hört ebenso seine Töne, die er mit einer wunderbaren Märchengeige auf unsrere Welt hinunterfidelt. Dieser kleine Mann im Mond ist ebenso pausbäckig und glatzköpfig, wie der Mond selbst. Manche Kinder, besonders solche, die an einem Sonntag bei Vollmond geboren worden sind, haben die seltsameGabe, diese wunderliche Musik zu deuten und in Märchengeschichten umzuwandeln. Mitunter, wenn der Mond abnimmt, und nur eine Sichel sichtbar wird, dann kommt ein grauer Nachtvogel, nämlich ein Märchenkäuzchen, zu uns auf die Erde herabgeflogen. Nicht etwa mit seinen Flügeln, nein! Es schwebt mit vielen bunten Luftballons, auf einer Schaukel sitzend zu unserer Erde herab und jeder einzelne Luftballon ist angefüllt mit einer Märchengeschichte. In meinem Geschichtenbüchlein, welches ich für euch zusammengetragen und aufgeschrieben habe, will ich euch nun erzählen, was in diesen Luftballons drinnen eingeschlossen war. Ich musste diese Luftballons ganz behutsam und vorsichtig öffnen, damit die Luft nur sehr langsam entweichen konnte, denn sonst macht es "Plups" und durch diesen lauten Knall wären die Märchen auf und davongeflogen. So habe ich einige dieser Luftballons äußerst behutsam und gespannt geöffnet. Beim Öffnen entwich gant leise zischend die Luft. Dann hielt ich mein Ohr daran und ich konnte diese wundersamen Märchen erlauschen. Die Kinder warteten schon voller Spannung auf mich, wenn ich ihnen begegnete. Dann kamen sie angerannt und baten mich, meine Geschichten zu erzählen. Wir setzten uns an den Straßenrand und ich begann damit. Na, und nun seid ihr wohl auch schon gespannt. Setzt euch ein Weilchen zu mir und hört mir zu:

Der erste Luftballon

Der Held des Waldes Häschen Schnurps.

Mitten drin im tiefen Wald lebte in Angst und Schrecken eine große Hasenfamilie, denn zweimal in der Woche kam Reineke, der Rotfuchs, dieser hinterlistige Wilddieb,lauerte einem Häslein auf, fing es und fraß es schließlich in seiner Fuchshöhle auf. Als sein Hungertag wieder einmal auf seinem Jagd- und Fresskalender stnd, da sah er schon von weitem ein Häslein, welches genussvoll im Grase saß und Klee fraß. Reineke fackelte nicht lange, sprang auf das Häslein zu und versuchte es zu fangen. Blitzschnell und mit aufgerissenem Mund und großen Augen rannte es auf und davon. "Hilfe, Hilfe! Der Fuchs will mich auffressen!", rief es keuchend. Es schlug einen großen Haken und mit Mühe und Not entkam es diesem heimtückischen Unhold. Zu Hause angekommen, erzählte es seinen Eltern und Geschwistern von der Lebensgefahr, in welcher es sich befunden hatte. Aufmerksam hörten die anderen ihm zu und besonders Schnurps, der ältere Brunder zog seine Hasenstirn kraus, knurrte vor sich hin und trommelte mit seinen Hinterläufen zornig auf den Waldboden. Dann berief er eine ordentliche Hasenfamilienversammlung ein und sie beratschlagten, wie man den Fuchs für immer einen Denkzettel verpassen könnte. Schnurps, der Älteste hatte einen außerordenlich klugen Plan. Er hatte nämlich beobachtet, dass immer dann, wenn die Hitze in der Mittagszeit besonders groß war, der Förster sich unter einem Baum legte, einschlief und er schnarchte so laut in den Wald hinein, dass die Baumspitzen dort oben erzitterten. Ein Stündchen dauerte es immer, bis er sich ausgegrunzt hatte. Diese Zeit wollte Schnurps nutzen, um dem Förster sein Flinte zu mopsen. "Passe gut auf, dass der Förster nicht aufweckt!", sprach Schnurps zu seinen jüngeren Bruder. Sie schlichen sich hin zu dem Baum, wo der Förster schlief und schnarchte und da sahen sie schon von weitem, wie die Schuhe des Försters in die Luft stakten. Der kleine Schnurps nahm all seinen Mut zusammen und robbte auf seinen Vieren hin zum Förster. Nur sein Stummelschwänzchen war von ihm zu sehen. Alles andere verschwand im hohen Waldgras. Dann stand er plötzlich vor dem Förster, der seine Augen immer noch fest geschlossen hatte. Sein dicker Bauch hob und senkte sich gleichmäßig, so wie er ein- und ausatmete. Dann starrte Schnurps auf die Jagdflinte, griff hastig danach und sprang hurtig mit einem rieisgen Satz in das rettende Dickicht. Oh, wie plupperte da sein Hasenherz und seine Hinterläufe zitterten wie Espenlaub. Er staunte selbst, woher er diesen Helden genommen hatte. Seine Nagezähne fletschten gar grausam, wie bei einem wütenden Kettenhund un er konnte es kaum erwarten, bis er und sein kleinerer Bruder nach Hause kamen. Der Kleinere durfte sogar die Flinte tragen und ganz stolz marschierte er vor dem großen Schnurps daher. Beide träumten schon davon, wie sie den Räuberfuchs in die Flucht jagen würden und sie hörten mit ihren Wunschgedanken bereits den Fuchs um Gnade winseln ...

 Der 2. Luftballon ...

Das Schloss der emsigen Ameisen ...

 

Ich will euch eine Geschichte erzählen, von diesen winzig kleinen Ameisen, die so stark und unerhört fleißig sein können und die ein Völkchen sind, mit viel Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt. Ihr Zusammenleben ist ähnlich, wie bei uns Menschen. Ich erzähle euch, was ich darüber gelesen und auch selbst erlebt habe. Jeder Ameisenhügel ist ein Volk für sich selbst, so, wie auch wir unsere Völker und Staaten haben. Und jedes dieser Völker hat eine obers-te Regierende. Das ist die Ameisenkönigin. Sie wird von den Arbeiterinnen beköstigt, gereinigt und auch gepflegt, weil nur sie imstande ist, Ameiseneier zu legen, die dann ebenfalls von besonderen Ameisen genährt werden, bis sie eines Tages aus ihren Eiern ausschlüpfen. Und dann gibt es eine Vielzahl von Soldaten. Diese müssen ihre Ameisenburg bewachen und verteidigen und das habe auch ich gewaltig zu spüren bekommen. Es war wieder einmal Frühling geworden und an der Zeit, wieder im Garten Ordnung zu schaffen. Beete mussten angelegt werden und ich brachte die Sämereien in die Erde, damit mein Garten besonders schön werden sollte. Da schrak ich gewaltig zusammen. Was war den das? Mitten in meinen Beeten ein großer Ameisenhaufen! Und überall auf den Wegen, auf dem schön angelegten Rosenbeet und auch in meinem Glashaus wimmelte es von diesen kleinen Tierchen. Kurzentschlossen begab ich mich in den Ort, um irgendein Ameisenvernichtungsmittel, eine chemische Keule sozusagen, einzukaufen. Ein Bekannter stand neben mir und fragte mich, wofür ich dieses Zeug wohl brauchen würde? “Ich will die Ameisen in meinem Garten bekämpfen!”, erwiderte ich selbstbewusst. ”Das ist nicht gut, Ameisen sind nützliche Insekten. Sie vernichten zum Beispiel die Blattläuse.” Als ich wieder in meinem Garten angekommen war, stellte ich das Ver-nichtungsmittel in meinen Schuppen, griff zum Spaten und grub das Ameisenvolk aus. “Alarm! Wir werden angegriffen!”, wisperte es leise und große Scharen von Ameisensoldaten stürmten auf mich ein. Sie krochen an meinen Schuhen entlang. Auf den Hosen und sogar auf meinen Armen krochen sie herum. Sie bissen, stachen auf mich ein und es begann fürchterlich zu jucken. Die Ameisenkönigin hatte ihr Volk aufgerufen, in den Kampf zu ziehen, gegen diesen großen Riesenmenschen. Ich lud die gesamte Ameisenerde in meine Schubkarre und dann legte ich sie außerhalb meines Gartens ab und häufte sie an. Dann fand ich sogar noch die Ameisenkönigin selbst, nahm sie behutsam zwischen meinen Daumen und Zeigefinger und trug sie hin zu ihrem neuen Standort. Sofort hörten die Ameisensoldaten auf, mich zu bekämpfen. Sicherlich hatte die Königin ihrem Volk befohlen, den Kampf einzustellen. Sie ließen ab von mir und begannen em-sig, ihre neue Ameisenburg auszubauen. Sie gruben sich in den neuen Ameisenhügel ein, legten neue Gänge an und noch am späten Abend waren sie unerhört fleißig am Schaffen. Fast eine halbe Stunde stand ich dabei und beobachtete dieses fleißige Völk-chen und wenn ich im Garten eine verirrte Ameise fand, hob ich sie auf und trug sie zu den anderen. Von nun an vertrugen wir uns ausgezeichnet. Sie hatten sich eine kleine Straße zu meinem Rosenbeet gebaut und es war wohl ihr großes Dankeschön, dass sie jede Blattlaus von meinen Rosen in ihre Burg trugen. So war mein schöner Garten bald schon schädlingsfrei. Sogar die kleinen Nacktschnecken wurden von den Ameisen angegriffen und vertrieben. Als Dank pflanzte ich auf ihrer neuerstandenen Ameisenburg schöne kleine bunte Blümchen und ich beobachtete, wie sehr sich dieses Ameisenvölkchen darüber freuen konnte. Jeden Tag, wenn ich in meinen Garten ging, blieb ich vor der neuen Ameisenburg stehen und beobachtete diese Kleinen. Nachdenklich war ich geworden und ich musste feststellen, wie ähnlich wir doch manchmal diesen kleinen zierlichen Wesen sind ...
 


 © 2003 by Franz Lorber •