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1. Wer, wenn nicht wir ...
Wer, wenn nicht du,
kann mich zum Lachen bringen,
wenn mir die Traurigkeit in's Gesicht geschrieben steht,
und wenn ein kalter Wind mir in die Seele weht,
dann bist du nah', ich spüre dieses Klingen,
denn wenn du sprichst, hör' ich dir staunend zu ...
Wer, wenn nicht ich,
kann deine Tränen stillen,
wenn dir dein Weg so unwegbar erscheint.
Wie oft hast du dich bei mir ausgeweint.
Du fandest wieder deinen starken Willen,
denn meine Worte, ich glaub', sie stärkten dich ...
Wer, wenn nicht wir
sind in der Lage, uns irgendwo zu finden.
Obwohl. Ein jeder lebt an seinem Ort.
Gedanken treffen sich, dann schweben sie weit fort,
zu einem Stern - was sie dabei empfinden,
gehört uns beiden, nur dir allein und mir ...
2. Unsere Seelen sind den Talsperren gleich ...
Unsere Seelen sind wie Talsperren ...
Rinnsale werden zu kleinen Bächen
und manchmal auch zu reißenden Flüssen ...
Es sind unsere Gefühle, Sehnsüchte, Träume und Ängste,
die sie so sehr anschwellen lassen,
hin, bis zum Rande der Staumauer ...
Und ...
wenn wir nicht ab und zu ihre Schleusen öffnen,
mitunter ein klein wenig nur, dann beginnen sie
überzulaufen, und alles versinkt
in ein Meer unerfüllter Träume ...
***
Darum öffne ich es hin und wieder,
mein Staubecken „Seele“
und ich spüre,
wie mir dadurch leichter zumute wird,
dort drinnen ...
3. Wer bin ich ?
Möcht’ gern wissen, wer ich bin,
oder wer ich sein möchte ...
Bin ich ein Fixstern, der unscheinbar
irgendwo dahin wandelt?
Oder bin ich ein Meteorit,
der einer Feuerkugel gleich aufleuchtet,
um wieder
im Dunkel zu verlöschen?
Bin ich ein Sternensplitter,
der dahinrast,
um ganz nah’ der Sonne zu verglühen?
Ich werde wohl
ein Sternenstäubchen in der Galaxis sein.
Ich weiß, ich weiß,
dass es ein Hauch von Größenwahn ist,
solch ein Gleichnis zu wagen,
aber ein Sternenstäubchen sein zu dürfen
im Weltenwandel, es wäre zu schön ...
4. Lautes Lachen ...
Wer leise lächelt, ist wohl viel zu weise,
um über dumme Sprüche laut zu lachen.
Wie sollt’ er sich belustigt lustig machen,
so lächelt er, man merkt es kaum, ganz leise.
Ein and’rer wiehert laut und lacht sich krumm
und prustet über schlecht pointierte Witze.
Auch lachen manche und wissen nicht warum,
sie lachen über kurze Geistesblitze.
Auch ich lach’ gern und erzähle manche Zote.
Mein lautes Lachen halt’ ich nicht zurück.
Manch’ Gossenwitz gerät sehr bald in Mode,
ihn zu erzählen erfordert viel Geschick.
Und bin ich einmal in Erzählerrage,
dann kommt es vor, dass manchmal ich zu laut,
aus meinem Halse lach’ und die Blamage,
tut gut, wenn man über seine Stränge haut.
Ach, es ist schön, wenn man mit seiner Muse,
die and’ren Leute mal zum Lachen zwingt.
Es tut mir gut, wenn aus meiner Bluse,
mal ein Gelächter ganz laut nach außen dringt.
5. Schmetterlinge ...
Wenn Schmetterlinge mit ihren Flügeln
sich ganz leicht berühren,
als würden sie sich an den Händen führen,
und wenn sie taumelnd in den Himmel schweben,
weil sie doch nur für einen Sommer leben.
Dann gaukeln sie mit ihrer kurzen Zeit,
zu uns ganz nah, von uns so weit, so weit.
Wenn sie von Wiesenblumen Nektar naschen,
sich necken und verstecken und sich haschen,
dann möchte ich mich leise zu dir stehlen,
und dich mit meinen Fühlern necken, quälen,
ganz zart und leise auf deinem feuchten Mund,
möcht’ in die Augen blicken, hin, in der Seele Grund.
Ich würde mich ausruhen ziemlich lange,
ganz nah’ beim Ohr, dort auf deiner Wange.
Vielleicht würd’ ich sogar in deinem Haar,
in wenig schlafen, wo ich noch niemals war.
6. Meine Zeit ...
Weißt du, dass meine Zeit dahinschmilzt,
wie der letzte Schnee in der Frühlingssonne,
wenn die ersten Krokusse aus der Erde sprießen,
und wenn der Frühlingswind,
mit seinem Föhn über die Wiesen streicht?
Weißt du, dass meine glückseligen Stunden
ständig kürzer werden
und immer neu verrinnen,
wie eine dahinsiechende Quelle,
im trockenen, heißen Sommer?
Manchmal ist mir,
als würde man meinen Wald,
in welchem ich lebe, abholzen,
und leere Baumstümpfe weisen mir den Weg.
Mein Lebensbaum, dieser einstmals so stolze,
er stand mitten drin in meinem Wald.
Nun steh’ ich fast allein da,
und die Bäume ringsum,
meine ehemaligen Gefährten,
sie winken nur noch vereinzelt von weitem.
Es ist nicht nur die Traurigkeit,
die mich mitunter so sehr bewegt,
sondern vielmehr dieses Grausamsein
der Naturgesetzlichkeit,
die mich zu Boden drücken möchte,
und der ich mich immer wieder,
zu widersetzen wage ...
7. Der Sommer singt
mir leise ...
Der Sommer singt mir leise,
sein Lied zum letzten Mal.
Er fliegt auf seiner Reise,
bergauf vom tiefen Tal.
Schwebt hoch schon in den Wolken,
winkt mir noch einmal zu,
und selbst die Schwalben folgen,
laut zwitschernd ihm im Nu.
Die Lieder sind verklungen
und graue Wolken schwer,
sie haben sich geschwungen,
zu meinem Fenster her.
Die vielen Regentropfen,
sie trommeln Tag und Nacht.
Wie sie an’s Fenster klopfen,
erst laut, dann wieder sacht.
Und wie die Nebel fallen,
gefüllt vom Wolkenmeer.
Wie sie in’s Herz sich krallen,
fast schmerzhaft und so schwer.
Der Herbst ist eingezogen.
Nun malt er Stund’ auf Stund’,
in farbenfrohem Bogen,
die Blätter kunterbunt.
Das Laub beginnt zu schweben,
nun liegt es grau und fahl.
Was bunt war noch soeben,
ist leer mit einem Mal.
Der Sommer ist gegangen,
und drüben im Geäst,
wo noch die Vöglein sangen,
kein Lied sich hören lässt.
Der Wind beginnt zu wehen.
Er bläst schon folgenschwer.
Ich kann ihn fast schon sehen,
den Winter zu mir her.
Ach, wie die Wolken fließen,
als wären sie ein Fluss.
Sie möchten mich noch grüßen,
mit ihrem Abschiedsgruß.
8. Gedanken über Krieg und Frieden ...
Ich habe geträumt,
dass in unserem neuen Jahrtausend
die Waffen geschaffen von Menschenhand,
endlich dahinrosten würden,
wie uralte Pflugschare ...
Auch träumte ich davon,
dass im angebrochenen neuen Jahrhundert,
die Menschen viel klüger und reifer
geworden wären,
als im alten, vergangenen,
das uns doch so viel Böses
als Erbschaft hinterließ.
Doch dann erwachte ich,
und der östliche Himmel,
er war überzogen,
mit einer unheilvollen Morgenröte.
***
Warum müssen Menschenhände
Feuer schüren auf der Welt?
Warum glühen neue Brände,
bis das Antlitz „Mensch“ zerfällt?
Soll die Menschheit untergehen,
weil sich die Menschen nicht verstehen?
Warum müssen Menschenhorden
überall in Stadt und Land,
rote Spuren hinterlassen ...
„Haltet ein mit eurem Morden!
Wo bleibt euer Menschverstand?
Müsst Ihr euch denn immer hassen?“
Warum müssen Menschenherzen
schrei’n im Unglück, voller Qual?
Überall nur Hass und Tod!
Menschheit, weine voller Schmerzen,
denn in diesem Höllental,
stirbt der Mensch in seiner Not!
9. Krieg im Irak ...
Blitz und Donner,
nicht von Naturgewalten gezeugt,
sondern durch Menschenhand gesteuert,
lassen die Erde erbeben
und ...
uns’re Herzen erstarren zu Eis.
Ein neues Vietnam im neuen Jahrhundert?
Das so eben begonnene Jahrtausend,
ist es der Anbeginn von neuem Völkermord?
Will denn dieses „Schlachten“
kein Ende nehmen?
„Krieg beginnt dort,
wo der Verstand zu Ende ist ...“
***
Vögel fallen von den Bäumen,
lautlos und still.
So still sind sie geworden ...
Sie sind verstummt, weil der Einschlag
der Raketen ihre kleinen Herzen
zerrissen hat.
(Der Luftdruck war zu stark für sie ...)
Gebäude stürzen in sich zusammen,
wie Kartenhäuser -
Frauen schreien und sie reißen sich
ihre Tücher von den Gesichtern,
und Kinder blicken
mit weit aufgerissenen Augen
in’s Flammenmeer.
***
Ein kleiner siebenjähriger Iraker,
gestern spielte er noch mit den anderen -
er hat seine Fäustchen geballt
und die kleinen Knöchelchen,
weiß, treten sie hervor ...
„Wenn ich groß sein werde,
dann zahle ich es euch zurück“,
flüstert er leise, kaum hörbar,
und in seinen Augen
flammt ein unheilvolles Glühen ...
Der Hass, er wird kein Ende finden,
in diesem Jahrhundert ...
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