Geschichten und Gedichte von Franz Lorber

Großvaters neue Geschichten

1.   Das kleine Mädchen Julchen, soll einen Aufsatz schreiben, über die Tiere in der Natur ...

 

Julchen, alle nannten sie nur Jule,
sollte einen Aufsatz schreiben in  der Schule.
Sie ludt ihre Freundinnen ein nach Haus,
dort brüteten sie ihre PLäne aus.
 
Zuerst sahen sie sich ihre Lehrbücher an,
da war so viel Neues darinnen, oh Mann!
Sie büffelten und lernten so manche Stund',
und ihre Köpfchen waren vom Lernen schon wund.
 
Da fasste Julchen einen klugen Entschluss,
dass man die Tiere selbst erleben muss.
Am Samstag, da ging sie dann ganz allein,
mitten in den tiefen Wald hinein.
 
Ach, ist es auf der Lichtung schön.
Ein Eichhörnchen und Mäuschen kann sie seh'n.
Gant still bleibt sie stehen hinter einem Baum
und es ist, als erlebe sie einen Traum.
 
Die Tierchen, sie springen hin un her
und sie knabbern und fressen mehr und mehr.
Sie naschen Wurzeln und Heidelbeeren,
und verstehen es auch, Eicheln zu leeren.
 
Und später dann, da sind sie so satt,
ein Mäuschen von ihnen frisst noch ein Blatt.
Dann huschen sie hin und huschen her,
dieses Eichhörnchen sieht Julchen auch nicht mehr.
 
Ein Vögelchen entdeckt sie im Nest,
welches sich von ihrem Männchen füttern lässt.
Der Vogelmann, er ist recht fleissig,
er schleppt für das Nest weiches Gras und Reisig.
 
Dann sitzt er vor ihr auf einem Blatt,
wo er für sie ein Lied gesungen hat.
Das Vögelweibchen, es hört ihm zu,
und es klingt so schön in der Waldesruh'.
 
Nachdem er beendet hat sein Lied,
er wieder auf Insektenjagd zieht,
denn das Weibchen, es braucht sehr viel Futter,
denn nun wird sie doch bald eine Vogelmutter.
 
Dann erblickte sie hoch oben in der Eiche,
das Eichhörnchen, es ist immer noch das gleiche,
welches vorhin auf der Erde dort unten,
mit den Mäuschen hatte Nahrung gefunden.
 
Nun sieht Julchen, wie es die Eicheln schafft,
in seinen Kobel. und es rafft und rafft.
Es ammelt den Vorrat für die Winterszeit,
wenn es dann kalt wird und viel zu sehr schneit.
 
Mit weichem Gras baut es sein Nest,
damit es sichh im Winter gut schlafen lässt.
Es springt hin und her und findet keine Ruh,
und sammelt und sammelt immerzu.
 
Und dort, in einem Ahornbaum,
da krabbeln viele Käfer, man glaubt es kaum.
Sie kriechen sogar auf ihren Arm entlang,
aber sie beißen sie nicht, Gott sei Dank.
 
Sogar Kreuspinnen gibt es hier,
Blattläuse und Raupen und noch anderes Getier.
Und dort, im Gezweig eine kleine Meise,
sie frisst diese Schädlinge als Mittagsspeise.
 
In der Luft hört sie die Bienen summen
und Hummeln hört sie auch, wie sie brummen.
Bei den Bäumen und Sträuchern bleibt sie steh'n,
um all diese Tierchen sich anzuseh'n.
 
Und dann auf ihrer Wegesstrecke,
direkt auf dem Weg, da kriecht eine Schnecke.
Auf dem Rücken trägt sie ein kleines Haus,
und sie streckt vorsichtig ihre Fühler aus.
 
Und dort, im Gezweig, da singt ein Star,
und oben, im Baum, eine Vogelschar.
Sie piepst und sie zwitschert in einem fort,
hier und da und an jedem Ort.
 
"Oh!", ruft Julchen."Das höre ich gern."
Die Vöglein, sie singen nah und auch fern.
"Nun muss ich aber nach Hause geh'n"
ruft sie in den Wald."Hier war es sehr schön."
 
Und wie sie am Flussbett vorübergeht,
eine Riesenmaus dort vor ihr steht.
Sie knabbert an einem Baum herum,
und Julchen staunt, sie ist ganz stumm.
 
Dann erinnert sie sich, dass das ein Biber sei.
Er fällt junge Bäume und eins, zwei, drei,
die jungen Äste trägt er in den Fluss,
weil er dort sein eigenes Haus bauen muss.
 
Nun hat JUlchen wieder etwas gelernt,
als sich Biber von ihr entfernt.
Sie schaut ihm noch lange hinterher,
wie er schleppt, denn die Äste, die sind schwer.
 
Am Ufer, im Schilfgras, eine Libelle,
sie singt ein Liedchen, ganz leise und helle.
Und plötzlich schwirrt sie durch die Luft,
weil irgend wo nach ihr ein Grillerich ruft.
 
eiter unten dort, am gleichen Ufer,
da hört sie noch einen anderen Rufer.
"Quak, quak! Komm doch mal her zu mir!",
ruft nach ihr dieses seltsame Tier.
 
Ganz vorsichtig schleicht sie am Ufer entlang
und hat auch gleich dieses Rufer erkannt.
Er bläht seinen Hals auf und ruft ganz laut:
"Quak, quak!" Sie hat ihn gleich erschaut.
 
Dann sitzt sie vor ihm und lacht und lacht.
"Kleines Fröschlein, hast du diesen Krach gemacht?
Du klingst ja fast wie eine Posaune!",
ruft Julchen fröhlich in bester Laune.
 
Dann steht sie auf."Nun muss ich geh'n.
Bei euch, liebe Tiere, da war es sehr schön."
Und wie sie sich vom Wald entfernt,
denkt sie:" Hier habe ich sehr viel gelernt."
 
Am nächsten Tag, dann in der Schule,
da schreibt sie fünf Seiten, die kleine Jule.
Der beste Aufsatz war ihr gelungen.
Auf dem Heimweg hat sie laut ein Liedchen gesungen.