Geschichten und Gedichte von Franz Lorber

Kindergedichte

 

Franzl, der Sternenträumer ...

 

Der alte Mann, dort vor der Kneipe,

er saß so oft auf seiner Bank,

und dann erzählte er Geschichten,

wenn er dabei sein Bierchen trank.

 

Ich habe oft bei ihm gesessen.

Er war mein allerbester Freund.

Gespannt hing ich an seinem Munde,

wenn er von Mond und Sternen träumt.

 

Die Erde wäre eine Kugel,

unheimlich groß und rund,

und oben dort, die Silbersterne,

sie wären wunderschön und bunt.

 

Ich kletterte oft in die Bäume,

ganz nah wollt ich den Sternen sein,

und ich erlebte meine Träume,

von Sternen, Mond und Sonnenschein.

 

Sehr oft saß ich auf einer Wiese

Und sah in meine Sternenwelt.

Erstaunt erblickte ich am Himmel,

wenn’s Sternchen dann zu Boden fällt.

 

Sternschnuppen, sagt der alte Mann,

das wären kleine Sternenkinder.

Sie fliegen zu uns auf die Erde,

im Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

 

Och! Was mein Freund doch alles weiß.

Ich glaub’, ich kann viel von ihm lernen.

Er kennt die Sonne und den Mond,

und auch die Namen von den Sternen.

 

Und dann bei Nacht, der Mann im Mond,

er würd’ das Sternenlicht anzünden,

damit wir in der Dunkelheit,

den Weg zu uns, nach Hause finden.

 

Und ist der Himmel man verhangen,

von vielen Wolken regenschwer.

Dann würd’ der Mann im Monde schlafen,

und dunkel blieb das Sternenmeer.

 

So habe ich in vielen Stunden,

bei ihm gesessen und gelauscht.

Im Schlaf noch hör’ ich seine Stimme.

Die wie im Winde zu mir rauscht.

 

Doch eines Tages vor der Kneipe,

sitz ich allein, die Bank ist leer.

Der alte Mann mit seinen Märchen,

ist fortgeflogen, er lebt nicht mehr.

 

Er lebt jetzt oben bei den Sternen,

vielleicht ist er nun selbst ein Stern?

Er schwebt dort oben in den Fernen,

ganz weit von hier, ganz weit und fern.

 

Vielleicht kann ich mal zu ihm fliegen,

nur mal ganz kurz, so auf Besuch?

Ich glaub’, er täte sich sehr freuen,

vielleicht liest er aus einem Buch?

 

So schaute ich hinauf zum Himmel,

und suchte ihn, den alten Mann.

Und manches Mal war ich auch traurig,

weil ich ihn nirgends finden kann.

 

Ach, könnte ich nur einmal fliegen,

hinauf zu ihm, in’s Sternenland.

Dann würde ich mich zu ihm setzen,

ganz fest hielt ich dann seine Hand.

 

Ich Schlaf hab ich heut Nacht geträumt,

ich wär’ mit Vögel hochgeflogen.

Sie hatten mich mit bunten Bändern,

zu meinem Freunde hingezogen.

 

Es war ein Traum, ein schöner Traum,

dann bin ich wieder aufgewacht.

Der Mond schien freundlich in mein Fenster,

in dieser schönen Sternennacht.

 

                        ***

Nun hab ich selbst schon Enkelkinder,

und sitze hier, als alter Mann,

und ich erzähl’ nun die Geschichten,

die ich niemals vergessen kann ...

 

 

 

 

 

Das kleine Mädchen Julchen,

soll einen Aufsatz schreiben,

über die Tiere in der Natur ...

 

Julchen, alle nannten sie nur Jule,

sollte einen Aufsatz schreiben in der Schule.

Sie lud ihre Freundinnen ein nach Haus,

dort brüteten sie ihre Pläne aus.

 

Zuerst sahen sie sich die Lehrbücher an,

da war so viel Neues darinnen, oh Mann!

Sie büffelten und lernten so manche Stund’,

und ihre Köpfchen waren vom Lernen schon wund.

 

Da fasste Julchen einen klugen Entschluss,

dass man die Tiere selbst erleben muss.

Am Samstag da ging sie dann ganz allein,

mitten in den tiefen Wald hinein.

 

Ach, ist es dort auf der Lichtung schön,

Ein Eichhörnchen und Mäuschen kann sie sehn.

Ganz still bleibt sie stehen hinter einem Baum,

und es ist, als erlebe sie einen Traum.

 

Die Tierchen, sie springen hin und her,

und sie knabbern und fressen mehr und mehr.

Sie fressen Wurzeln und Heidelbeeren,

und verstehen es auch, Eicheln zu leeren.

 

Und später dann, da sind sie so satt,

ein Mäuschen von ihnen frisst noch ein Blatt.

Dann huschen sie hin und huschen her,

dieses Eichhörnchen sieht Julchen auch nicht mehr.

 

Ein Vögelchen entdeckt sie im Nest,

welches sich von ihrem Männchen füttern lässt.

Der Vogelmann, er ist sehr fleißig,

er schleppt für das Nest weiches Gras und Reisig.

 

Dann sitzt er vor ihr auf einem Blatt,

wo er für sie ein Lied gesungen hat.

Das Vogelweibchen, es hört ihm zu,

und es klingt so schön in der Waldesruh’.

 

Nachdem er beendet hat sein Lied,

er wieder auf Insektenjagd zieht,

denn das Weibchen, es braucht sehr viel Futter,

denn nun wird sie doch bald eine Vogelmutter.

 

Dann erblickte sie hoch oben in der Eiche,

das Eichhörnchen, es ist noch das gleiche,

welches vorhin auf der Erde dort unten,

mit den Mäuschen hatte Nahrung gefunden.

 

Nun sieht Julchen, wie es die Eicheln schafft,

in seinen Kobel, und es rafft und rafft.

Es sammelt den Vorrat für die Winterzeit,

wenn es dann kalt wird und viel zu sehr schneit.

 

Mit weichem Gras baut es sein Nest,

damit es sich im Winter gut schlafen lässt.

Es springt hin und her und findet keine Ruh,

und sammelt und sammelt immerzu.

 

Und dort, in einem Ahornbaum,

da krabbeln viele Käfer, man glaubt es kaum.

Sie kriechen sogar auf ihrem Arm entlang,

aber sie beißen sie nicht, Gott sei Dank.

 

Sogar Kreuzspinnen gibt es hier,

Blattläuse und Raupen und noch anderes Getier.

Und dort, im Gezweig eine kleine Meise,

sie frisst diese Schädlinge als Mittagsspeise.

 

In der Luft hört sie die Bienen summen,

und die Hummeln hört sie auch, wie sie brummen.

An Bäumen und Sträuchern bleibt sie steh’n,

um all diese Tierchen sich anzuseh’n.

 

Und dann auf ihrer Wegestrecke,

direkt auf dem Weg, da kriecht eine Schnecke.

Auf ihrem Rücken trägt sie ein Haus,

und sie streckt vorsichtig ihre Fühlerchen aus.

 

Und dort, im Gezweig da singt ein Star,

und oben im Baum, eine Vogelschar,

sie piepst und sie zwitschert in einem fort,

hier und da und an jedem Ort.

 

“Oh!”, ruft das Julchen. “Das höre ich gern.”

Die Vöglein, sie singen so nah und auch fern.

“Nun muss ich aber nach Hause geh’n!”,

ruft sie dem Wald zu: ”Hier war es sehr schön!”

 

Und wie es am Flussbett vorübergeht,

eine Riesenmaus dort vor ihr steht.

Sie knabbert an einem Baume herum,

und Julchen staunt, sie ist ganz stumm.

 

Dann erinnert sie sich, dass das ein Biber sei,

er fällt junge Bäume und eins, zwei, drei,

die jungen Äste trägt er durch den Fluss,

weil er dort sein Haus bauen muss.

 

Nun hat Julchen wieder etwas gelernt,

als sich der Biber von ihr entfernt.

Sie schaut ihm noch lange hinterher,

wie er schleppt, denn die Äste sind schwer.

 

Am Ufer, im Schilfgras, eine Libelle,

sie singt ein Liedchen, ganz leise und helle.

Und plötzlich schwirrt sie durch die Luft,

weil irgendwo nach ihr ein Grillmännchen ruft.

 

Weiter unten dort, am gleichen Ufer,

da hört sie noch einen anderen Rufer.

“Quak, quak! Komm doch mal her zu mir!”,

ruft nach ihr dieses seltsame Tier.

 

Ganz vorsichtig schleicht sie am Ufer entlang,

und hat auch gleich diesen Rufer erkannt.

Er bläht seinen Hals auf und ruft ganz laut:

“Quak, quak!” Sie hat ihn gleich erschaut.

 

Dann sitzt sie vor ihm und lacht und lacht.

“Kleines Fröschlein hast du den Krach gemacht?

Du klingst ja fast wie eine Posaune!”,

ruft Julchen fröhlich in bester Laune.

 

Dann steht sie auf: ”Nun muss ich geh’n.

Bei euch, liebe Tiere, da war es sehr schön.”

Und wie sie sich vom Wald entfernt,

denkt sie: “Hier habe ich sehr viel gelernt.”

 

Am nächsten Tag, dann in der Schule,

da schreibt sie fünf Seiten, die kleine Jule.

Der beste Aufsatz war ihr gelungen.

Vor Freude hat sie ein Liedchen gesungen.

 

 

 

 

 

 

           

           

                       

                       

 

         Piepsel und Puupsel,
die zwei Pilzsucher aus der Stadt ...
                                     
    (Eine kleine Mäusegeschichte)
 
Piepsel und Puupsel, die kleinen Mäuschen,
sind aufgeregt und ganz aus dem Häuschen.
Sie wollen heute wandern geh’n,
um die Natur sich anzuseh’n.
 
Sie beide wohnen in der Stadt,
wo es ganz wenig Bäume hat.
Und plötzlich machen beide Halt,
dort drüben, oh! Ein grüner Wald!
 
Sie sitzen nun am Wegesrand,
sie halten ein Pilzbuch in ihrer Hand.
Beim Pilze suchen soll es nützen,
um sie vor Unheil zu beschützen.
 
Sie blättern um, gar viele Seiten,
um viel zu wissen schon bei Zeiten.
Dann fassen sie sich an der Hand,
um aufzubrechen, weit ins Land.
 
Noch auf dem Wege raten sie,
wo wachsen Pilze? Wo und wie?
Wo sollte man die Pilze suchen,
unter Eichen, unter Buchen?
 
Schon bald darauf im Dauerlauf,
da brechen sie zum Walde auf.
Der Wald winkt ihnen schon von weitem,
und lädt sie ein, diese Beiden.
 
Sie kriechen in den Wald hinein,
die Mäuschen sind hier ganz allein.
Ein Eichhörnchen, es keckert laut,
und hat die Beiden längst erschaut.
 
Dort aus den Zweigen piepsen leise,
ein kleiner Zeisig und ’ne Meise.
Die Mäuschen spitzen traumverloren,
von dem Geräusch die Mauseohren.
 
Und wie die Bäume heimlich rauschen,
da staunen sie und horchen, lauschen.
Ein Baum liegt quer, und wie ein Hase,
hüpft Puupsel und fällt auf die Nase.
 
Ja, ja. Der Wald hat seine Tücken,
man kann auch fallen auf den Rücken.
Und Piepsel, dieser arme Tropf,
am Baumstamm stößt er sich am Kopf.
 
Und wie sie beide noch so eben,
vorsichtig ihre Füßlein heben.
Da bleiben beide plötzlich steh’n.
„Komm lass uns schnell nach Hause geh’n.“
 
 
 
 
Kaum hat der Piepsel das gesagt,
einen Purzelbaum hat er gewagt.
Er konnte dort beim Rückwärtsgehen,
den riesengroßen Pilz nicht sehen.
 
Als sie den Steinpilz dann erblicken,
da rufen sie voller Entzücken:
„Im Walde hier, da ist es schön,
komm lass uns Pilze suchen geh’n!“
 
Nach links und rechts, sie suchen fleißig.
„Ich glaub, dort drüben unter’m Reisig,
da haben zwei sich gut versteckt!“
Der Puupsel hat sie gleich entdeckt.
 
Nun geht das Suchen schließlich weiter.
Frisch ausgeruht und froh und heiter,
versuchen sie auf’s Neu ihr Glück,
und finden Pilze, Stück für Stück.
 
„Oh! Guck doch mal, dieser schöne Hut.
Ich setz ihn auf, steht er mir gut?“
„Ach lass die Modenschau doch sein,
und leg ihn in den Korb hinein.“
 
Der Abend schon sehr bald beginnt.
Man kann es spüren, dort im Wind,
wie sanft er in den Bäumen säuselt,
und wie am Weg der Staub hoch kräuselt.
 
Die Butterpilze sind so schmierig,
sie abzuhäuten ist recht schwierig.
„Wir werden sie wohl stehen lassen,
sie kleben so, im Gras, dem nassen.!“
 
Der Korb ist übervoll und schwer.
Sie schleppen, keuchen immer mehr.
Nun sitzen sich am Waldesrand
und putzen Pilze vom Schmutz und Sand.
 
Und aus den Pilzen krabbeln Maden.
„Pfui!“, ruft Puupsel. „Die will ich nicht braten!“
„Der hier ist gut, und der ist schlecht!“
„Und der ist giftig, und der ist echt!“
 
Und neben ihnen, dort im Moos,
da steht noch einer, riesengroß.
Neugierig, wie der Piepsel ist,
nagt ihn rasch an, weil er vergisst,
 
dass rohe Früchte aus dem Wald,
gefährlich sind, das merkt er bald.
Einen Bitterpilz hat er gefunden,
und hat sein Zünglein arg geschunden.
 
„Oh Gott, mir tut die Zunge weh!“
Es brennt vom Kopf bis an die Zeh.
Erst wird ihm heiß, dann wieder kalt.
„Nie mehr geh ich in diesen Wald!“
 
 
 
 
„Was sind denn das für komische Dinge?“
„Ich glaub, die nennt man Pfifferlinge.
Dass diese gut und schmackhaft sind,
das weiß doch jedes Mäusekind!“
 
Und Puupsel will sie rasch noch pflücken,
um Piepsel damit zu beglücken.
Griesgrämig sieht ihm Piepsel zu.
„Ich will nicht mehr, lass mich in Ruh!“
 
„Komm, lass uns nun nach Hause geh’n.
Die vielen Pilze, lass sie stehn!“
Der Puupsel hat nun einen Plan,
„Das Pilzbuch! Komm, wir schau’n es an!“
 
Nun blättern sie die Seiten um,
mit großen Augen. Sie sind stumm.
Da steht geschrieben, mit großer Schrift:
Fliegenpilz bedeutet Gift!
 
Und dann noch auf den and’ren Seiten,
Knollenblätterpilze muss man meiden.
Erschrocken schau’n sich beide an,
„Rasch aussortieren, Mann, oh Mann!“
 
Piepsel und Puupsel sortieren fleißig,
die Guten ins Körbchen, die Schlechten ins Reisig.
Zum Schluss: Der Korb ist nicht mehr schwer,
acht Pilze nur, er ist halbleer.
 
Die Beiden haben es geschafft,
und wandern mit vereinter Kraft,
dem Waldrand drüben dort, entgegen,
um sich ein wenig hinzulegen.
 
Piepsel und Puupsel ruhen sich aus,
die Pilzgeschichte ist noch nicht aus!
 
Spät sind sie dann nach Haus gekommen,
müd’ waren sie und recht benommen.
Die kleinen Füßchen taten weh,
von den Fersen hin bis zur der Zeh.
 
Rasch gewaschen, flugs geschlafen,
und schon schnarchen sie, die Braven.
Und so manche Mäuseträume,
wie sie huschen durch die Bäume.
 
Überall, wohin sie gehen,
können sie viel Pilze sehen.
Vollgeladen einen Wagen,
denn sie können sie nicht tragen.
 
Nur die Mäuseschwänzchen wackeln munter,
und hängen dort am Bettchen runter.
Die Mäusezehleins zucken heiter,
als wanderten sie des Nachts noch weiter.
 
Die kleinen Näschen hochgestreckt,
nur die Ohren sind versteckt.
Und wenn sie morgen früh aufstehen,
ob wieder sie zum Wald hingehen?
 
Nun schlaft recht schön, ihr lieben Kleinen,
lasst euch vom Mondlicht schön bescheinen.
Ich wünsch euch beiden „Gute Nacht“,
weil’s Träumen euch viel Freude macht.
 
 
Ausklang
 
Wenn euch meine Sterngeschichten,
beim Lesen große Freude machen,
dann will ich neue für euch dichten.
Es ist so schön, wenn Kinder lachen.
 
Hab für euch schon so viel erfunden,
und manches Märchen mir erdacht.
So will ich in den Abendstunden,
neue schreiben, bis in die Nacht.
 
Natürlich muss ich sie erträumen,
ich pflücke sie vom Märchenbaum.
Vielleicht pflück ich von meinen Bäumen,
schlaflos des Nachts noch manchen Traum ...