Geschichten und Gedichte von Franz Lorber

Sonstige nichtpublizierte Bücher - Privatdrucke

                            Auszüge aus einigen meiner Bücher 

1.    Heimat, du wunderbare ...

2.    Familiengeschichte ...

3.    Walderlebnisse aus dem Erzgebirge ...

4.    Schattenspiele ...

5.    Blätter im Wind ...

6.    Erinnerungen, Träume und Visionen

7.    Hommage vom Zauber alter Bäume ...

8.    Die Frage aller Fragen: "Wo oder wer ist Gott?"

© 2003 -2010 by Franz Lorber •

  1.)                                     Heimat, Du wunderbare  

                             Bildgeschichten in Versen
                        Druck und Einband Grafische Werkstätten Dippoldiswalde

                       Auszüge aus diesem Gedichtsband       (ohne Bildmaterial)

                         Ehrfurcht hab' ich vor diesen Bäumen ...

Es ist, als ob ich träume,
inmitten dieser Bäume. 
Mein Lauschen immerzu, 
gibt mir die Ruh' ... 

Mit Moos sind sie umhangen, 
umarmt und eingefangen. 
Ach, dieser Wald 
ist so uralt ... 

Wie ich vor ihnen stehe, 
und weit nach oben spähe - 
sogar das Sonnenlicht, 
ich seh es nicht ... 

Dort drüben, eine Buche, 
nach der ich längst schon suche. 
Dort glänzt ein Sonnenstrahl, 
mit einem Mal ... 

Und irgendwo, ganz leise, 
erklingt die alte Weise 
aus längst vergangner Zeit, 
so weit ... 

In dieser Baumesfülle, 
umgibt mich eine Stille. 
Hier will ich sein, 
ganz allein ... 

Wie sich die Bäume neigen, 
mit ihren Zweigen, 
sie streicheln mein Gesicht, 
im Dämmerlicht ...

                                Ich glaub', der Frühling kommt ...

Bald kann ich wieder
den Blumen in die Seele blicken,
und einen Strauß für deine Vase pflücken -
in's satte, grüne Gras setz' ich mich nieder.

Hab auf die Berge hochgeblickt,
das Lärchengün kann ich bereits erträumen,
es sprießt hervor, dort drüben in den Bäumen,
der ganze Wald hat mir schon zugenickt.

Ach, mich erfüllt ein wunderbares Lauschen,
die Vögel sind vom Winter aufgewacht,
und auch die Sonne hat mich angelacht, 
um mich herum beginnt mein Waldesrauschen.

Schon spielen Mücken in der Luft.
Dort drüben jubilieren wieder Lerchen,
und auf den Wiesen, die frischverliebten Pärchen,
umarmen sich im bunten Blütenduft ...

 

                                        Zwiegespräch ...

Ich sitze am Wegesrand - ein Sonnenstrahl kitzelt mir die Nasenspitze, und ein leises Stimmchen, kaum hörbar, wispert mir zu: "Hallo, du dicker Mensch. Weshalb schaust du so griesgrämig drein? Ist es nicht schön, mitten im Gras, neben mir sitzen zu können?" Erschrocken schaue ich auf. "Wer spricht denn da mit mir, mit diesem zarten Stimmchen?" Neben mir schwankt im Winde ein kleines Ackerstiefmütterchen hin und her, und ich sehe hinein in dieses winzige Blumengesichtchen. "Bist du es, das mich soeben angesprochen hat?", frage ich ebenso leise und zweifelnd. "Siehst du noch jemand außer mir?" "Nein. Ich sehe nur dich." Es nickt mir zu und flüstert: "Komm, lach doch mal. Ein ganz klein wenig nur ..." Wieder kitzelt mich ein Sonnenstrahl nicht nur an meiner Nasenspitze, sondern tief drinnen in meiner Seele. Die Falten im Gesicht glätten sich ein wenig, und ich lächle meiner kleinen Freundin, dem Ackerstiefmütterchen zu ...

                                        Die kleinen Wildgewachsenen ...

Die Rose ist von prächtigem Wuchs,
sie leuchtet mit ihrem Gebilde
Doch dort drüben am Wegesrand,
da wachsen so zierlich und wilde

halb versteckt im dichten Gras,
und strecken dem Licht sich entgegen.
Erzitternd vom Windeshauch,
sie hin und her sich bewegen.

Stiefmütterchen, mit wildem Wuchs,
ich bleibe bei ihnen stehen,
und freudig bewegt verharre ich kurz,
um in ihre Gesichtchen zu sehen ...

2.) Familiengeschichte aus drei Jahrhunderten ...
    erforscht und aufgeschrieben mit historischen Urkunden und Photobildern     123 Seiten    2008

 1. Teil         Geschichtlich-historische Forschungen der Sudetenländer

österreichische Bauern in den böhmischen Wäldern und sie machten das Land bedeutend fruchtbarer, als bisher ... Leibeigene begaben sich bei Nacht und Nebel, bei Wind und Wetter auf die Flucht ins Böhmische, um dort ein neues Leben zu beginnen. Wenn jedoch die Grundherren solche Fluchtversuche mitbekamen, dann wurden dieFlüchtigen mit Hundemeuten verfolgt und das bedeutete dann ihr bitterstes Ende. So mag es wohl auch meinen Urahnen und Vorfahren ergangen sein, vor vielen Hunderten von Jahren ...

Anmerkung:Wenn man heute noch die unermesslichen Schätze und Reichtümer der Nachfahren dieser Reichen erahnen kann, so ist es wohl für jeden verständlich, dass dieses unerklärbare Wohlhaben nur auf Kosten des gemeinen Volkes angehäuft und gehortet werden konnte. Tausende und Abertausende Väter und Söhne wurden auf fremden Schlachtfeldern abgeschlachtet. Den Gewinn, mit purem Gold aufgewogen, steckten die Fürsten und Herzöge für die verkauften Unfreien ein. Die Flucht ins Böhmische war die einzige Möglichkeit, den Grausamkeiten zu entkommen. Die Ansiedlung von der ehemaligen germanischen Bevölkerung auf böhmischen Territorium nahm gehäufte Formen an. Sehr früh entwickelte sich daraus der Begriff der Sudetendeutschen. Bereits im 13. Jahrhundert gibt es Hinweise und Überlieferungen von dieser Art der Völkerwanderung. Durch die Schrecknisse des 30 jährigen Krieges wurde nicht nur die böhmische Bevölkerung arg in Mitleidenschaft gezogen, sondern ebenso die sudetendeutsche Bevölkerung. Das Zusammenfinden und -leben der zugewanderten Deutschen, Bayern, Schlesier und Österreicher hatte bewunderswerteKulturleistungen, wie zum Beispiel Bauwerke, Berufsstände und vieles andere mehr, hervorgebracht. Erbitterte bewaffnete Auseinandersetzungen entstanden durch den Hussitenkrieg 1419-1436, brachte erneut großes Leid über die Bevölkerung. Etwa 1,5 Millionen Tote war das schreckliche Kriegsergebnis. Kaiserlich- katholischer Absolutismus führte immer wieder mit den Protestanden zu neuen Konfrontationen. Die richtige Geschichte der deutsch-tschechischen Beziehungen in Böhmen und Mähren begann dann an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert mit dem Erwachen des jeweiligen Nationalbewusstsein. Der erste größere nationale Konflikt begann um 1848/49 politisch relevant zu werden. Nationale Wohngebiete mit dementsprechenden Kultur-und Sprachgepflogenheiten entwickelte sich zunehmend aus dieser Situation. Das bisherige gemeinsame Volksbewusstsein wurde abgelöst von nationalen Zugehörigkeitsbekenntnissen. Daraus begannen erste Volkstumskämpfe zwischen der angestammten böhmischen Bevölkerung und den Zugewanderten. Diese Auseinandersetzungen entbrannten auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens. Wie schon erwähnt und angedeutet, hatten sich die Ansiedler im gelobten Land Böhmen und Mähren sehr schnell eingelebt. Es wurde ihre angestammte Heimat und sie waren völlig losgelöst von ihrem Ursprungsland ihrer Väter und Mütter. Diese Menschen waren im Vertrauen auf die Versprechungen böhmischer Fürsten, Herzöge und Könige ins Land gekommen. Die Neusiedler rodeten die Urwälder im Erzgebirge, im böhmischen Mittelgebirge, sowie im Böhmerwald und Egerland. So kam es, dass sich deutschsprachige Volksstämme verschiedenen Ursprungs ansiedelten. Ihre verschiedensten Dialekte, kulturellen Gepflogenheiten, Rituale und Fertigkeiten, sowie auch ihre sonstigen Bräuche vermischten sich immer mehr miteinander. Die verschiedensten Mundarten, bayrisch, obersächsisch, österreichisch und schlesisch vermischten sich immer mehr zu einem sudetendeutschen Sprachgebrauch mit immer noch unterschiedlichen Dialektakzen-ten. Der Ursprung ihrer Herkunft ging deshalb nie ganz verloren. So hat-te sich in einer jahrhundertlangen Entwicklung das Volkstum der Sudetendeutschen herausgebildet, zu denen ich mich heute noch zähle. Einödsiedlungen, Weiler, Berg- und Taldörfer, aus Holz und Stein gebaut, entstanden überall. Viele Kolonisten entdeckten im 13. Jahrhundert auch den vielseitigen Erzreichtum, besonders aber im Erzgebirge. Sie bauten ihre Bergdörfer immer mehr aus und schürften nach Zinn, Eisenerzen, Kupfer und Silber. So entstanden auch die ersten Verhüttungen.

         An der Bauweise der Orte und Dörfer, an der Lage der Felder, vor allem aber auch an den Ortsnamen kann man heute noch feststellen, welche Gebiete von bereits erwähnten deutschsprachigen Kolonisten aus wilder Wurzel und Ödland gerodet und kultiviert worden waren. Dorf- und Ortsnamen auf ...tal, ...berg, ...wald, ...grund, ...bach, ...hain, ...grün, ...dorf, ...au, und viele andere verweisen auf den deutschsprachigen Namensursprung. Unter den Königen Ottokar dem 1. und dem 2. entwickelte sich schließlich auch die bürgerliche und städtische Kolonisation und Zivilisation im 12. Jahrhundert. In den Städten siedelten sich Handwerker und Kaufleute deutschsprachigen Ursprungs an. Silber, bis dahin fast unbekannt, wurde zur Währungsgrundlage. Andere Buntmetalle, wie Kupfer, Zinn und Zink wurden als Gebrauchsmetalle erkannt und angewendet. Viele Ortsnamen, wie Graupen (nach den gefundenen Zinngraupen benannt) Zinnwald, Kupferberg, erinnern heute noch an den deutschsprachigen Ursprung des Erzabbaues besonders im Erzgebirge. Man muss einschätzen, dass es den böhmischen Ursprungsbauern durch die Leibeigenschaft, die auch dort vorherrschte, sehr, sehr schlecht ging. Die deutschsprachigen Kolonisten, Bauern, Gewerbetreibenden, Händler, Bergleute und andere, sie waren damals bereits durch verbriefte Rechte gewissermaßen “geschützt”. Diese Darlegungen sollen keinesfalls ein falsches Bild von der böhmischen Bevölkerung widerspiegeln. Es gab bei der Entwicklung des Landes nur einen gewaltigen Unterschied. Böhmen und Mähren war zum damaligen Zeitpunkt vor der Koloni-alisierung ein von Urwäldern durchwachsenes Gebiet und nur auf kärgliche Agrarerträge für die Fürsten- und Herzogstümer ausgerichtet. Unter anderen wirtschaftlichen Bedingungen und Voraussetzungen wäre die böhmisch-mährische Bevölkerung ebenso imstande gewesen, solche Pionierleistungen zu vollbringen, wie eben die deutschsprachige. Diese historisch gewachsenen Unterschiede in den Leistungen der Bevölkerungsnationalitäten führten gesetzmäßig zu diesen allmählich gehäuften Spannungen zwischen den Ein-gewanderten und den Ansässigen. So entwickelte sich die Widersprüche innerhalb der neuentwickelten Gesellschaft immer mehr ...

 2.Teil   Der Ursprung meiner Familie.

Dieser interne Teil ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt

           

3. Walderlebnisse aus dem Erzgebirge

               (Ausschnitte aus den Jahreszeiten)

Januar bis März
 
 
Das neue Jahr hat begonnen und die Wälder sind immer noch im tiefen Schnee eingehüllt. Schläft die Natur, oder scheint es nur so? Die Eiskristalle glitzern im Sonnenlicht und ein kalter Hauch lässt die Luft leicht erzittern. Erstarrte Grasspitzen lugen aus der dicken Schnee-decke schüchtern hervor und sie lassen uns erahnen, dass das dicke Waldgras im kommenden Frühjahr wieder ergrünen und gedeihen wird. Aber bis dahin müssen sich die Tiere des Waldes noch gedulden, denn besonders der Januar fordert von ihnen viel Kraft und Ausdauer. Aber eines Tages wird auch diese kalte und harte Jahreszeit ihrem Ende zugehen. Es ist ein wunderschöner Tag und ich habe mich da-zu entschlossen, auf der Altenberger Flur, den Klöngelflösselweg entlang zu wandern. Dann bin ich oben angekommen. Ein bisschen verschnaufen und den Blick schweifen lassen und da sehe ich in der Ferne dort drüben den Geisingberg, wie er mit seinem Kegel versucht, sich den Wolken entgegenzustrecken. Es ist ein einmaliger Anblick, zwischen den verschneiten Baumstämmen hindurch, den Berg eines ehemaligen Vulkans zu erblicken. Als ich auf meinem Wanderweg weitergehe, sehe ich von weitem, wie sich ein roter Fleck, mitten im weißen Schnee fortbewegt. Und dann stelle ich mit einem Mal fest, dies ist doch ein Fuchs! Meister Reineke, der Rotpelz verspürt seinen knurrenden Magen und der große Hunger hat ihn aus dem Fuchsbau herausgetrieben. Er begibt sich schnürend auf Jagd und vielleicht hat er Jagdglück, dass ein Mäuschen sich aus dem tiefen Schnee her-vorwagt. Wenn er auch nur das leiseste Geräusch tief unter der Schneedecke erlauscht, dann wartet er geduldig und sobald die Schneedecke sich ein klein wenig anhebt und zu wackeln beginnt, dann setzt er zum Sprung an, er mäuselt, und das graue Mäuslein gehört ihm. Dort drüben, neben dem eingestapelten Holzhaufen, kann man sie entdecken! Drei Spitzen einer Geweihstange gucken aus der Schneedecke hervor. Der Abwurf der Geweihe erfolgt in den ersten Monaten des Jahres und es gehört schon sehr großes Glück dazu, solch eine Stange zu entdecken. Es ist eine absolute Seltenheit, dass ein Geweihsucher beide Stangen eines Geweihs findet. Mein Sohn Udo, der selbst seit vielen Jahren Jäger ist, hatte einmalig dieses seltene Glück.
 
 
April bis Juni
 
 
Kaum ist der Frost aus dem Waldboden entwichen, da treibt schon der äußerst giftige, aber wunderschöne Seidelbast seine Knospen aus und schon sehr bald beginnt er zu blühen. Nun ist der Winter endgültig vorbei. Die relativ seltenen Leberblümchen strecken an günstigen Sonnenstellen ihre breiten Blätter dem Licht entgegen und bald schon erscheinen die ersten Knospen, um uns schon nach wenigen Tagen mit ihrem Blütenschmuck zu bezaubern. Bitte stehen lassen und nicht für die Vase im Wohnzimmer abpflücken! Sie stehen nämlich unter strengem Naturschutz! Man kann sich doch an der Schönheit der Natur auch so erfreuen, ohne dass man sie gleich sein persönlichen Eigen nennen möchte. Ein Ausflug um diese Jahreszeit im Waldgebiet lohnt sich immer, denn auch die Blätterknospen der Laubbäume beginnen zu sprießen. Die Haselnussbäumchen, oder besser -Sträucher gesagt, be-grüßen uns mit ihren grüngelblichen Hängeschwänzchen und wer darauf allergisch reagiert, sollte dem Blütenstaub nicht zu nahe kommen. An Wegrändern kann man sehr zeitig den quittegelben Huflattich betrachten und natürlich auch pflücken. Seine Blüten werden getrocknet als Heiltee außerordentlich geschätzt.
Es ist schon etwas Wunderbares, wenn man auf seinen Wanderwegen sieht, wie sich die Natur täglich verändert, und selbst die Waldränder und die Wiesen sind für unsere Augen ein Labsal, wenn sie überall zu grünen beginnen. Wenn man genau hinhört, dann ist die Luft mit einem Summen erfüllt. Bienen, Hummeln und anderes fliegendes Getier ergötzt sich an den Blüten. Auf den Wiesen, die schon ihr erstes Grün zeigen, beginnt nun ein buntes Treiben. Die grauen Hasen rotten sich scharenweise zusammen und wer da glaubt, dass dieses Herumtoben und Balgen ein Frühlingsspiel sei, der hat sich wohl mächtig getäuscht. Mümmelmanns Rammelzeit ist ausgebrochen. Auch hier sind die Rangordnungskämpfe ein oberstes Gebot, denn nur die stärksten Hasenböcke haben das Recht der Natur, sich fortzupflanzen. Diese Rangordnungskämpfe halten viele Tage und Nächte an und selbst bei Mondenschein kann man auf den Wiesen die spannenden Auseinandersetzungen beobachten. Die Heftigkeit dieser Kämpfe nehmen ständig zu und die Weibchen, die noch etwas abseits sitzen, als hätten sie einen Logenplatz in einer Stierkampfarena, sie sind noch etwas unbeteiligt an diesem Geschehen. Dies jedoch sollte sich schon sehr bald ändern. Am Geruch der Häsinnen können die Rammler feststellen, welche Hasendamen empfangsbereit sind und dann beginnt ein entfesseltes Treiben. Geraten dabei zwei oder auch mehrere ebenbürtige Rammler aufeinander, dann fliegen die Fetzen und man kann noch Tage nach diesen Kämpfen auf den Treibplätzen ganze Haarbüschel liegen sehen, die allmählich vom Wind weggetrieben werden. Während der Rammlerkämpfe springen diese liebes-tollen Mümmelmänner meterhoch durch die Luft. Sie springen sich gegen-seitig an und bearbeiten sich mit ihren Vorderpfoten. Mitunter führen ihre scharfen Krallen auch zu üblen Verletzungen. Kratzen und Beißen ist bei diesen heftigen Kampfattacken stets angesagt. Doch jeder Kampf geht einmal seinem Ende zu. Hat dann einer der Kämpfer den Sieg davon-getragen, dann geht er auf Brautschau und ehe sich die Braut recht besinnen kann, wird im wahrsten Sinne des Wortes losgerammelt. Bei diesem wilden Liebesspiel kann es schon einmal vorkommen, dass zwei liebestolle Kavaliere, den Sprung gemeinsam wagen. Doch wer zu spät kommt, den bestraft das Leben und so bleibt dem Zuletztgekommenen nur eines übrig, nämlich Huckepack aufzureiten, allerdings, ohne den erwünschten Liebeserfolg ...
 
 
 
Juli bis September
 
 
An diesem Tag habe ich das Beobachten der Wildtiere eingestellt und mich voll auf die Pilzernte konzentriert und wie man sieht, es hat sich wahrlich gelohnt! Das muss ich nun öfters tun, damit sich meine Wintervorräte wieder auffüllen.
Als ich gestern durch mein Steinpilzrevier schlich, um nach weiteren Prachtexemplaren Ausschau zu halten, da beobachtete mich mit dem Kopf nach unten, dort drüben an einem Baumstamm eine Spechtmeise, auch Kleiber genannt. Er ist der einzige heimische Vogel, der kopfunter die Baumstämme hinunterklettert. Mit seiner auffallend lauten Stimme “Twiet - Twiet”, begrüßte er mich schimpfend, weil ich mir, ohne seine Erlaubnis, die Früchte des Waldes aneigne, obwohl er doch damit gar nichts anfangen kann. Weit oben hat auch er sich eine Spechthöhle angeeignet, die er bis auf seinen Körperumfang zugeklebt (gekleibt) hat, deshalb auch sein eigenartiger Name. Oben, in der Luft höre ich ein eigenartiges Rauschen und das “Gack - gack - gack”, Geschnatter verrät mir, dass ein Schwarm Graugänse in keilförmiger Formation vorüberfliegt. Sicher suchen sie irgendwo ein größeres Gewässer auf, oder sie lassen sich in einem der Weizen- oder Haferfeldern nieder, um genügend Kraftfutter in sich hineinzustopfen, damit sie vor ihrem späteren Überlandflug zu den westlichen Mittelmeerländern genügend Energie speichern können. Es ist immer wieder interessant, mit welch einer angeborenen Flugdisziplin sie so geordnet fliegen.In den Haferfeldern, die noch nicht abgeerntet worden sind, fühlen sich ganz besonders die Schwarzkittel wohl, und schon mancher Spaziergänger, der in Gedanken ver-sunken auf den Feldwegen entlangwanderte, zuckte er-schrocken zusammen, weil plötzlich und unverhofft, solch ein schwarzer Geselle neben ihm auftauchte und ihn zornig angrunzte. Ja, was soll man dann tun, wenn man nur einen leichten Spazierstock bei sich führt? Mit schlottrigen Knien langsam und ruhig zurückweichen und diesen Keiler nicht provozieren, indem man die Arme hochreißt und losschreit. Mir selbst ist es auch schon passiert, dass ich mich leise zurückgezogen und aus dem Staub gemacht habe. Man weiß ja nie, was in solch einen Wildschweinschädel vor sich geht. Also lieber davonschleichen und ist man erst einmal außer Reichweite, dann sollte man schon seine Beine in die Hände nehmen, und gehörig das Weite suchen.Als es mir mit diesem Wildschwein am Haferfeld selbst einmal so erging, mied ich natürlich diese Strecke und ich ging am nächsten Tage eine völlig andere Route und begab mich auf einen anderen Wiesenweg. Na, was soll ich euch sagen? Ich weiß nicht, ob es derselbe war, aber er sah ebenso aufgeschreckt und zornig zu mir herüber, dieser wilde, schwarze Teufel. In den letzten Jahren hat allerdings die Schwarzkittelplage erheblich abgenommen. Nur dort, wo die großen Maisfelder durch die Bauern angelegt worden sind, hört man es ab und zu dort drinnen grunzen.
 
 
Oktober bis Dezember
 
Auf den Lichtungen hat sich sehr rasch das Unkraut des Waldes, das Farnkraut breitgemacht. Haben sich erst einmal die Farnsporen in der Erde festgekrallt, dann ist das Wachstum unaufhaltsam. Die unterirdischen Wurzelausläufer kriechen viele Meter unter dem Waldboden dahin und treiben überall aus. Da der Waldboden besonders locker ist, kann man sehr oft beobachten, dass sich die Schwarzkittel gern im Farnkraut aufhalten, weil Larven, Engerlinge, und anderes Gewürm dort zu Hause sind. Außerdem bieten die hohen Farnkräuter guten Schutz. Wenn dann im Herbst die Farnblätter ihre kräftig grüne Farbe verlieren und sich braun einfärben, dann dauert es nicht mehr allzu lange, und der raue Herbstwind rüttelt in den Bäumen. Übrigens, Vorsicht ist geboten! Im Farnkraut fühlen sich auch die Zecken sehr wohl.
Das Kahlwild begibt sich allmählich auf Suche für ihre Winter-einstände. Sie fühlen instinktiv, dass die große Zeit des Sattfressens längst schon vorüber ist. Vorsichtig äugend durchstreift es die Wälder und es zieht sich immer mehr in die Forste zurück, weil die Getrei-defelder und die Wiesen durch die Landwirtschaft abgeerntet worden sind. Also muss es sich im Wald desto mehr auf Futtersuche begeben. Mitunter hört man es in den Büschen knacken, und wenn man etwas Glück hat, dann kann man beobachten, wie diese Prachttiere ihre Lauscher aufstellen und aufmerksam ihre Umwelt ins Visier nehmen. Ist der Wanderer etwas zu laut, dann geht die Post ab. Lautes Krachen im Gehölz verrät, dass diese scheuen Waldbewohner die wilde Flucht ergriffen haben und erst wieder zur Ruhe kommen, wenn die Sicht und ihre Witterung es ihnen erlaubt.
Immer mehr zieht es nun die Tiere zu den Waldrändern hin. Die Wiesen bieten nur noch spärliches Futter und das Kahlwild erahnt schon, dass bald die Rothirsche für ihre Nachkommenschaft sorgen wollen. Vereinzelt kann man schon dort drinnen, von ganz weit her, das aufkommende Röhren einzelner männlicher Tiere hören.
Dann, in den kommenden Nächten, ist im Wald der Teufel los. Verhältnismäßig kurz findet die hohe Zeit, nämlich die Hirschbrunft statt. Ende September, wenn die ersten Nachtfröste auf den Waldgräsern ihre Reifspuren hinterlassen, beginnt das Schreien und Röhren dieser mächtigen Königstiere des Waldes. Treffen dann zwei gleichstarke männliche Tiere aufeinander, dann beginnt meistens ein Kampf auf Biegen und Brechen, und erst, wenn sich der Stärkere durchgesetzt hat, sucht der Geschlagene in mächtiger Flucht, das Weite. Als wir Ende der vierziger Jahre dort oben, in der Baukahre wohnten, da hatten wir in der Brunftzeit oftmals die Gelegenheit, den Kämpfen von unseren Fenstern herbeizuwohnen. In meinem ersten Band meiner Lebensgeschichte: “Verwehte Spuren”, habe ich ausgiebig darüber berichtet. Einige Male hatte ich das grausige Vergnügen, im Rehefelder und Schellerhauer Forst nachts ganz aus der Nähe das Schreien und Röhren der Hirsche zu erleben, und ich gestehe, dass sich einige Male meine Haare nicht nur auf den Armen gesträubt und hochgestellt haben. Es waren urige Erlebnisse.Selbst den unmittel-baren Kampf zweier Rivalen haben wir dort oben an der Baukahre einige Male hautnah erleben dürfen. Die Ranftwiese, welche nach so viel Jahrzehnten mit Fichten dicht bewachsen ist, war damals nur mit Grasbewuchs besetzt und so hatten wir sozusagen, von unse-ren Fenstern aus den Ausguck, wie auf einer Freilichtbühne. Solche Erlebnisse haben sich in meinem Hirn fest eingebrannt, und ich werde sie niemals vergessen können. Schön war diese Zeit.Wenn sich dann der Siegerhirsch, als Herrscher über sein Rudel, in Positur stellt und seine Siegesschreie in den Forst hinausbrüllt, so dass es von den umliegenden Bergen widerhallt, dann sind das schon eigenartige Gefühle, die mich überwältigen und wenn man noch das Glück hat, den Sieger mitten im Mondlicht erblicken zu können, es ist kaum mit Worten auszudrücken.

 

 

4.)   Schattenspiele, Anekdoten, Verse, Sprüche

Privatdruck Druckerei Schreiter Borthen bei Dresden 84 Seiten 
Ohne Bildmaterial - Auszüge 

Gedanken beim Schachspiel ...

Jetzt möchte ich weißer König sein - 
dreiundsechszig Felder überblickend.
Türme von oben betrachtend
umzingle ich von weitem schon
die schwarze Dame.

Ich winke ihr zu,
der Hochnäsigen,
und lasse die Offiziere
mit meinen Nebenbuhlern kämpfen.

Die Bauern
lasse ich Pferde stehlen -
vergnügt sehe ich,
wie die Läufer
um Türme tanzen.

So lasse ich mich dann
von der Dame, der schwarzen,
gefangen nehmen.
Sie führt mich
in unser Verließ unterm Tisch ...


Der kleine Unterschied ...
Brillanten gleichen mitunter den Tränen 
unglücklich liebender Frauen,
nur mit dem winzig kleinen Unterschied.
Diamanten sind lupenreiner
und von Beständigkeit.

Sie sind aus reinem Kohlenstoff,
entstanden in Jahrmillionen.
Tränen jedoch sind nur von kurzer Dauer,
mit einer Beimischung von flüssigem Salz ...

 

Allegorie ...

Als ich noch mitten in der Reife war, 
zwar war mein Kopf schon bisschen grau,
jedoch noch voller Haare.
Dann kam ich schon sehr bald
in meine ausgereiften Jahre
und ausgefallen war mir Haar für Haar.

Nun wird er kahl, mein einst'ger Lockenkopf,
wo hübsche Bienen mich früher noch umsummten,
wo kleine Käferchen über meinen Haupte brummten,
sie fliegen nun vorbei an meinem kahlen Schopf ...

 

Die tanzenden Blumen ...

Wenn nachts der Mond durch die Gardinen blinzelt
und draußen vor seiner Hütte unser Hofhund winselt,
dann erwachen die Blumen mit einem Mal,
und sie tanzen graziös auf meinem Regal.

Ich hab' sie belauscht, denn ich bin aufgewacht.
Die Turmuhr schlug zwölf Mal - es war Mitternacht.
Die Blümchen tanzten lautlos im Reigen,
um den Mond ihre volle Schönheit zu zeigen.

Ein Türspalt stand offen, ich lugte hervor,
der nächtliche Wind sang leise im Chor.
Und als die Turmuhr nur einmal schlug,
da hatten die Mädchen vom Tanzen genug ...


Die Geschichte von einem alten Mann ...

Lustig anzuseh'n, wie er pafft und schmaucht,
und wie er genussvoll sein Pfeifchen raucht.
Kaum hat er den Tabak angezündet,
ein Lächeln auch schon seine Freude verkündet.

Dann zieht er daran und weißer Rauch,
umschwebt sein Gesicht, fast wie ein Hauch.
Ich glaube, er durchlebt seine Tagesträume,
im Blattwerk, dort oben, im Geäst der Bäumen.

Er lächelt versonnen - die Augen verschlossen,
so hat er im Halbtraum sein Pfeifchen genossen.
Er sitzt auf der Bank, ganz still und allein,
"Ich glaube, er mag dieses Einsamsein."

Von weitem seh' ich ihm beim Rauchen zu.
Ich störe ihn nicht und lass' ihn in Ruh'.
Dann stehe ich auf, geh' an ihm vorüber,
sag leis' "Guten Tag". Er grüßt leise wieder.

Ganz kurz nur hat er mich angeblickt,
und er hat mir freundlich zugenickt.
Dann bin ich nachdenklich nach Hause gegangen,
hab' selbst mit dem Grübeln dann angefangen ...

 

 

5.)  Blätter im Wind ...
Privatdruck der Druckerei Schreiter Borthen bei Dresden 64 Seiten 
ohne Bildmaterial - Auszüge

Der Sand verrinnt ...

Wir haben mühsam, aber glücklich 
an unserer Sandburg gebaut,
in den Dünen unserer Träume. 
Türme und Tunnelgänge schufen wir,
aus feuchtem Sand, in den wir uns
verstecken wollten.

Die Sonne beschien uns
mit ihren hellen, wärmenden Strahlen.

Doch dann -
Wolken verdichteten sich -
krochen hervor aus dem düsteren Horizont
und ein Sturm brach los.

Gischt brodelte und brandete gegen den Strand,
und unsere Sandburg
in der wir so glücklich sein wollten,
brach auseinander.

Wellen überfluteten sie und zogen sie
unaufhaltsam ins Meer ...
Wurzel und Blatt ...
Wurzel wollte ich werden -
ein Stückchen Ursprung
vom Baume sein, 
der weiter wächst nach mir,
mit starker Borke,
Frösten trotzend,
Wind und Wetter abweisend.

Die Jahrzehnte jedoch,
haben mich wachgerüttelt
dort oben, im Gezweig.

Nicht einmal ein Ästleit
bin ich geworden.

So hänge ich nun -
ein Stück Blattwerk nur,
noch grün genug.
Doch schon
scheint die Sonne hindurch,
an dünnen Stellen,
die bald schon,
farblos werden ...

Und dann ...
wenn mein Sturm losbricht-
(Vielleicht genügt ein Windstoß nur)
wird er mich fortreißen,
vom Baume.

Wirbelnd noch
zitt're ich dem Boden entgegen
und werde wieder,
was ich einst war ...

Unter meiner Hülle ...

Unter meiner Hülle,
sparsam Lebensfülle,
mir entgegenschaut,
aus meiner Haut.

Falten im Gesicht,
ich mag sie nicht,
wenn ich zum Spiegel geh,
und zögerlich hinseh'.

Abendliches Licht,
mein Angesicht,
im Kerzenschein,
allein ...

Träume sind wie Seifenblasen ...

Ich steh' am Fenster, 
habe mir ein Glas Seifenlauge zurecht gemacht,
nehme einen Strohhalm
und tupfe ihn hinein.

Dann blase ich,
als ob ich ein Kind noch wäre
leicht hinein und freue mich,
weil buntschillernde
kleine Seifenblasen den Luftballons gleich
davonfliegen,
vom Winde getragen.

"Fliegt,fliegt, weit fort
und nehmt meine Träume mit!",
rufe ich ihnen leise hinterher.

Viele von ihnen zerplatzen,
weil der Wind sie leicht küsst.
Doch einige
segeln hinauf in die Lüfte
und necken sich
mit den kreischenden Schwalben.

"Fliegt,fliegt, weit fort
und nehmt meine Träume mit ..." 

6. Erinnerungen,Träume und Visionen ...

Eine kleine Auslese von Bildgeschichten in Versen, Gedichten und Zitaten ...
Privatdruck der Druckerei Berndt Schreiter Borthen bei Dresden 76 Seiten ohne Bildmaterial

Aberglaube ...

Ich habe ein altes, abgetragenes Hufeisen
in unseren Korridor gehängt,
mit den Enden nach oben,
damit unser Glück nicht herausfällt.

Mitunter belächle ich mich selbst.
Aber es ist gut, 
den Mut zu besitzen,
an irgend Etwas glauben zu können
und sei es auch nur
ein winzigkleines Abergläubchen ...

Sternenträume ...

Ich habe viele Fragen. 
Ob denn der große Wagen
dort oben, fern vom Himmelszelt,
umsegelt uns're große Welt?

Ob denn dort dieser Wassermann,
mich, wie ich ihn auch sehen kann,
und trägt dort dieser Schütze,
im Winter eine Mütze?

Als Phönix aus der Asche stieg,
war's sein Verlust, war es sein Sieg?
Ich hab' noch eine Frage,
dort oben an die Wage?

"Was wägst du ab in all den Nächten,
trennst du das Gute von dem Schlechten?
Es wird so viel gesponnen,
ist alles nur ersonnen?"

Ist doch ergal! Es ist so schön,
des Nachts zum Sternenhimmel seh'n
und dabei bisschen träumen,
von diesen Sternenräumen ...


Mein Kartenhaus Seele ...

Meine Seele ist wie ein Kartenhaus,
und die Gefühle gehen darinnen ein und aus.
Sie öffnet sich und wird ganz weit, so weit.
Am nächsten Tag stirbt sie mit ihrer Einsamkeit.

So muss ich wohl an ganz verschiedenen Tagen,
mein Seelenheil gut und schlecht ertragen.
Nur wer wie ich, die wahre Sehnsucht kennt,
der kann ermessen,
wie schmerzgepeinigt mein Kartenhaus verbrennt ...

's wird Nacht ...

Wenn sich der Tag dem Ende zuneigt, 
und mir noch einmal
seine Vergänglichkeit aufzeigt,
dann wird's bald Nacht.

Wenn in den Bäumen
jeder Vogel schweigt,
der letzte Ton hoch in den Himmel steigt,
dann wird's bald Nacht.

Wenn am Himmel fast schon
die Sterne blinken,
und mich mit ihrem Licht zu sich winken,
dann wird's bald Nacht.

Wenn die letzten Schatten herniedersinken,
und neben der Weide im See ertrinken,
dann wird's bald Nacht.

Wenn der Wind leis' in den Bäumen rauscht
und ein Käuzchen verstummt und erschrocken lauscht,
dann ist's Nacht.

Wenn der Mond dort oben pausbäckig lacht
und lautlos über die Schlafenden wacht,
dann ist's Nacht.

Wenn ein Traum sich auf mein Kissen legt,
und wenn der Wind ganz leise die Gardine bewegt,
dann ist's Nacht ...

Baum und Mensch ...

Auch Bäume müssen vergehen, 
wenn sie alt geworden sind,
und ihre Blätter verwehen,
irgendwo im Wind

Mein Baum ragt mit seinen Zweigen,
hoch in den Himmel empor.
Ein Knarren erklang noch im Reigen, 
als er sein Blattwerk verlor.
Tief unten, zwischen Lehm und Steinen, 
die Wurzeln, sie suchen noch Kraft.
Es sind seine müden Gebeine,
sie sind zu sehr schon erschlafft.

Ob Eiche, ob Buche, ob Linde,
sie sind eines Tages zu alt.
Vom Stamme löst sich die Rinde,
verloren ihr letzter Halt.

Nun können Kälte und Regen,
eindringen in seinen Stamm.
Bald wird er sich krachend hinlegen
zur Erde in schmutzigem Schlamm.

Mein Baum ist längst schon entschwunden,
vermodert ist seine Zeit.
Es schmerzen nicht mehr seine Wunden,
sind längst schon Vergangenheit.

Dort liegen noch einige Äste,
überwuchert vom grünen Moos,
und ihre spärlichen Reste,
die Erde lässt sie noch nicht los.

Doch später in ein paar Jahren,
da wuchert ein Pflänzchen hervor.
Dort, wo die Baumreste waren,
wächst neues Leben hervor.

So ist's auch in unserem Leben,
so kraftvoll und stark, wie ein Baum.
Doch die Jahre, sie spinnen und weben,
an unseren Lebensraum.

Da hilft auch kein Weinen und Flehen.
Da hilft auch kein "Ach" und kein "Weh".
Ich kann meine Welt gut verstehen,
wenn müde ich von ihr geh' ...

7. Hommage vom Zauber alter Bäume ...

Verse, Sprüche,freie Gedanken und allerlei Baumfabeln 77 Seiten
Privatdruck von der Druckerei Schreiter in Borthen

Morgenspaziergang ...

Bin durch den Wald gegangen, 
die Bäume sind behangen,
von regenschwerer Nacht.

Ganz früh zur Morgenstunde,
beschritt ich meine Runde,
kaum war der Tag erwacht.

Ganz leis die Blätter rauschen,
ein wunderbares Lauschen,
war in mir, zart und sacht ...

Wenn der Wald erwacht ...

Die ersten Sonnenstrahlen,
im Morgenlicht, dem fahlen,
dort, in der Nebelwand.

Ach könnte ich doch malen,
das Licht der feuerschalen,
mit meiner eig'nen Hand.

Die Nacht, sie geht zur Neige,
ich sitze still und schweige,
in diesem Wunderland ...

Nur ein Baum ...

Ich hatte einen Traum.
Ich war ein alter Stein,
und du ein junger Baum.
Mich streichelte dein Haar,
als wären wir allein,
so zart und wunderbar.

Jedoch, es war der Wind,
der mich umfächelt hat,
so kurz nur und geschwind.
Ein kleiner Gruß von dir.
Mich kitzelte ein Blatt, 
es fiel zu mir herab.
Die Nacht strich rasch vorbei, 
da lag ich ganz allein
und träumte nur, verzeih ...

Die Weide und ich ...

Wie die Weide dort im Sonnenuntergang,
so strecke ich mich sehnsuchtsvoll der Nacht entgegen,
und wie die Zweige sich noch leicht im Wind bewegen,
verspüre ich schlaftrunken den Gesang.

Ganz leise weht der Wind die Vogelstimmen,
zu mir ins Ohr so traurig, unbeschwert.
So manchen Abend hab ich zugehört,
als würden sie sich in die Wolken schwingen.

So sitz ich still versonnen dort am Wiesenrand.
auf meinem linken Arm, ruht meine rechte Hand,
fast eingeschlafen schon die Hände sind erschlafft,
beinahe schmerzhaft - leblos fast und ohne Kraft ...

8. Die Frage aller Fragen: "Wo oder wer ist Gott?"

  Privatdruck in der Druckerei Berndt Schreiter Borthen bei Dresden 63 Seiten

Wo oder wer ist Gott?

Ich habe ihn nie gefunden,
obwohl ich ein Leben lang
auf der Suche nach ihm war ...

Ich wurde bespritzt mit dem Weihwasser
des Katholizismus in der Basilika
zu Mariaschein, obwohl ich
nie christvoll genug geworden bin,
um Gebete nachsprechen zu müssen.

Selbst Baruch Spinoza war sich schon uneins darüber,
ob Gott die Natur,
oder die Natur Gott sein ...

Und Friedrich Nietzsche erkannte viel,viel später:
"Die Göttlichkeit liegt wohl
in der Vernunft des Menschen selbst!"

Also frage ich mich:
"Wo oder wer ist Gott?"

Göttlich ...

Ein Kind zu zeugen 
und zu gebären - 
es ist wohl etwas Göttliches.
Und wenn der Bauer die Saat ausbringt,
so ist seine Hand
wohl die des Gottes.
Gott ist so Vieles und nichts zugleich.

Die Blumen dort, am Ackerrand,
und das äsende Reh in den Abendstunden
der untergehenden Sonne,
die dunkle Krähe am Wolkenhimmel,
und der tropfende Regen,
der die tiefhängenden Wolken erleichtert,
dies alles ist göttlich.

Nur der Mensch selbst,
wenn er eigennützig Werte anhäuft,
wenn er Streit schürt im Kleinen,
wie auch im Großen,
wenn er die Flamme und das Schwert
über den Erdball schwingt,
dann ist er in seiner Verworfenheit
wölfisch, gottlos und schändlich!

Also frage ich mich: "Wo und wer ist Gott?"

Wenn wir zwei Vögel wären ...

Ich möchte mit dir 
auf diesen Wattewölkchen liegen.
Dann möchte ich,
in den Himmel, diesen blauen
gedankenlos und träumend
immer wieder schauen.

In diesem weißen Wattewolkenmeer,
möcht' ich schweben,
mit dir, immer mehr.
Wenn wir zwei Vögel wären,
könnten wir es tun,
dahinzufliegen,
ohne auszuruh'n ...