Geschichten und Gedichte von Franz Lorber

Späte Liebesgedichte 1. und 2. Band

        1. Band   "Herbstzeitlose"    2003    176 Seiten  Ausschnitte

 Wildröslein ...
 
Ich habe dort drüben am Waldesrand,
eine blühende Hecke gesichtet
und wie ich ganz nahe vor ihr stand,
hab’ ich ihr mein Verslein gedichtet.
 
„Wildröslein Du, mit Deiner Blut,
hast mir fast die Augen verbrannt.
Dein lieblicher Anblick, er tat mir so gut,
als ich Dich am Walde dort fand..
 
Nicht nur Deine Schönheit, auch Dein Duft,
hat mich zum Träumen verführt.
Mir war, als hätt’ ich die rosige Luft,
mit meinen Lippen berührt.
 
Ich wollte Dich brechen und konnte es nicht,
Ach Röslein, Dein liebliches Bild -
Es lächelt so zart Dein Rosengesicht,
es hat mich mit Sehnsucht erfüllt.
                       
Und als meine Hand Dich streicheln will,
da gabst Du mir einen Stich,
Ein Tröpfchen mit Blut rinnt leise und still
und ich flüst’re: „Ich liebe Dich.“
 
Du beugst Dich zu mir und streifst meine Hand,
und wiegst Dich ganz zärtlich im Wind .
Röschen, mein Röschen. Was ich nun empfand,
weil wir zwei verloren nun sind ...
 
Wie soll ich Dich wohl als Wandersmann,
abbrechen in Sinneslust,
damit ich in Freude Dich heften kann,
an meine glückselige Brust?
 
Wie solltest Du leben ohne den Strauch,
Du gehörst doch zu ihm und bist sein.
Dein Blütenduft, er gehört ihm doch auch
und ich atme ganz kurz ihn nur ein.
 
Nun gehe ich fort, Du winkst mir noch zu.
Ach Röschen, bei Dir war es so schön.
Röschen, mein Röschen. Ich find’ keine Ruh’,
muss für immer nun von Dir geh’n.
 
                           

 

Spätliebe ...    
        Ich hätte nie gedacht,
        dass in meinem reifen Herbst
        noch einmal Frühlingsstürme
        meine Seele so arg zerzausen.
      
        Es tut schrecklich gut
        und höllisch weh zugleich.
        Es ist ein Dahinschweben
        ins Licht der Freude
   
        und es ist ein Hinabstürzen,
        ins Dunkel des Leids und der Wehmut.
      
        Das Meer überflutet mich
        mit seinen wilden Wogen,
        aufpeitschend,
        dann plätschert es wieder,
      
        sanft und streichelnd,
        liebkosend dahin.
        Wüstenstürme treiben mir
        den glühenden Sand
in die Augen,
dann wieder ist mir,
als würde
ein Rosengarten mir zu winken.
 
Glück oder Unglück?
Freude oder Leid?
Hoffnung vermischt mit Traurigsein?
Umarmung und doch wieder allein? 
 
        Sie wird mich wohl eines Tages
        in die Knie zwingen
        und mich zu Boden drücken,
        diese wundersame süße
und doch so schmerzhafte
        Spätliebe ...
           
                       
 
 
             
             Möcht’ selbst ein Schmetterling sein ...
 
       
        Wenn Schmetterlinge taumelnd über Wiesen schweben,     
        wenn sich die Luft erfüllt mit neuem bunten Leben,
        dann möcht’ ich für Dich Blumen pflücken,
        um sie als Krone Dir in Deine Haare stricken.
 
        Möcht’ selbst als Schmetterling auf Deiner Brust
        hintaumeln und in Sinneslust,
        Dir dabei in die Augen seh’n,
        ach, wär’ das schön ...
 
 
            Ein Baum dort, möchte’ ich sein ...
 
      Wenn ich auch nicht mehr die Wiese sein darf,
        mit ihrem saftigen Grün
        und ihrem bunten Blumenteppich,
        so lass’mich zumindest
        den Baum dort sein, am Rande,
        damit Du,
        wenn Du müd’ geworden bist,
        in meinem Schatten
        ein wenig ruhen kannst.
 
        Vielleicht streichst Du dann
        mit Deinen Händen
        über die raue Borke
        und lehnst Dich zurück am Stamm,
        die Augen geschlossen,
        den Mund leicht geöffnet ...
        Meine Blätter fächeln Dir
        Schatten zu
        und ein Traum weht vorüber,
        dort oben im Gezweig ...
 
 
 
 
 
Blätter im Wind ...
 
        Es rieselt hier, es raschelt dort,
        wie meine stummen Träume,
        wie aus den Bäumen Blatt auf Blatt,
        entschwebt fort in die Räume..
 
        Mancher Ast, schon kahl und leer,
        fast wie ein leises Beben.
        Noch im Frühling blütenschwer,
        haucht aus sein kurzes Leben.
 
        Es ist wohl meine Traurigkeit,
        wenn Winde mich umwehen
        und meine Zeit, ach meine Zeit,
        bald wird sie von mir gehen.
 
        Ich werde, wie vom Wind das Laub,
        ganz leis’ zur Erde schweben.
        Im Sonnenlicht als Sternenstaub,
        möcht’ ich mich Dir hingeben.
 
        So buntgefärbt ist nun mein Blatt,
        es ruht in Deinem Schoß,
        nun wird es fahl, so glanzlos matt-
        fliegt fort vom Windesstoß.
 

 

Ja, wenn ich Rembrandt wäre ...
 
                   Wenn ich der Rembrandt wär’,
                dann würde ich ganz sehr,
                Dich malen wollen -
                Du darfst nicht schmollen -
                Ich würde Dich ganz nackt,
                malen als mein Akt.
 
                Den Pinsel und Palette,
                leg’ weg ich, denn ich wette,
                ich schlösse alle Türen,
                um Dich ... zu verführen,
                denn Dein wahres Bild,
                macht mich so wild.
 
                Bildhauer möcht’ ich sein,
                bei einem Glase Wein
                und Dich auf meinem Schoß -
                ich ließ’ Dich nicht mehr los,
                denn als lebende Skulptur,
                will ich Dich nur.
 
                Ach, ich verliebter Wicht,
                schreib’ Dir nun mein Gedicht.
                Schreib’ für mein Morgenkind
                und von dem Morgenwind.
                Wär’ ich der Wind - Dein Kleid,
                ich führ’ hinein ganz weit.
 
                Zum Busen bis vom Bein,
                würd’ ich ganz nah’ Dir sein.
                Würd’ streicheln Deine Haut,
                als wärst Du meine Braut -
                und keiner würd’ es seh’n,
                ach, wär’ das schön.

 

 

 

 

 

 

 

2.Band   "Zeit der Sterne"   2004-2005     160 Seiten    Ausschnitte

 

            Blick über den Gartenzaun ...

 

         Die eine dort, im Rosenbeet,
         sie reizt mich so, von früh bis spät 
         und dann, zur Abendstunde, 
         mach’ ich noch meine Runde.
       
        Am Zaune endlich, bleib’ ich steh’n,
        um nur die eine anzuseh’n.
        Wie bin ich jetzt entzückt,
        sie hat mir zugenickt.
 
        Es wäre schön, wenn ich jetzt könnte,
        sie brechen und in meine Hände
        würd’ ich sie heimwärts tragen,
        ohne viel zu fragen.
 
        Zu hoch ist dieser Gartenzaun.
        Von weitem muss ich sie beschau’n,
        "ach Du, mein Röslein rot,
        in meiner Herzensnot."      
       
        Der Wind, er hat mir zugeseh’n
        und plötzlich fängt er an zu weh’n.
        Ihr Rosenduft weht zu mir her,
        so süß, so duftig, blütenschwer.
 
        "Röslein Du, Du bleibst mein Traum.
        Ach wär’ ich doch ein Apfelbaum,
        bei Dir dort in der Nähe,
        damit ständig ich Dich sehe."
                          ***
        Am nächsten Tag beim Morgentau,
        ich gleich nach meinem Röslein schau’.
        Jedoch, oh großer Schreck!
        Mein Röslein ..., es ist weg.
 
        Nun gehe ich mit trüben Blick,
        auf meinem Weg nach Haus’ zurück.
        Auf meinem Tisch, aus rundem Glase
        steht leer die schöne Blumenvase.
         
        Die and’ren Rosen wollt’ ich nicht,
        mein Schmerz ist groß und mein Verzicht.
        Die Vase nehm’ ich wutentbrannt
        und werf’ sie zornig an die Wand.
 
        Mein Schmerz, er ist so bitter,
        der Teppich voller Splitter
        und ich, ich armer Tor,
        ich steh’ davor.
                          ***
        Doch die Moral von der Geschicht’,
        fremde Rosen stiehlt man nicht.
        Nur beim Vorübergehen,
        darf man nach ihnen sehen ...
 
   
     
 
 
 
                 Wie es einmal sein wird ...
 
 
            An den Tischen verstreut sitzen Männer und Frauen,
            leicht zitternd, verschlafen zusammengekrochen -
            etwas ungepflegt sind ihre Haare, diese grauen -
            schon auf dem Flur hat es nach „Altsein“ gerochen.
 
            Die Hände verrunzelt und unzählige Falten
            erzählen Geschichten vom langen Leben.
            Die Augen, so müde in den Gesichtern der Alten,
            im Wachsein möchten sie Erinnerung weben.
                                                ***
            Dort hinten am Fenster sitzt ein alter Mann.
            Er trägt eine Brille, kann nicht mehr richtig sehen.
            Eine Frau steht vor ihm, sieht fragend ihn an.
            Sie spricht etwas laut, er kann sie schlecht verstehen.
 
            Nun strahlt er sie an. Er hat sie erkannt.
            Seine Hand fasst nach ihr, nach den Händen.
            Sein Gesicht ist gerötet, als wär’ es verbrannt,
            und die beiden können ihren Blick nicht abwenden.
 
            Er hat einen Zettel und hält ihn zum Licht.
            Dann beginnt er ein Gedicht vorzutragen.
            Sie hört lächelnd ihm zu und ihr Gesicht
            errötet - sie beginnt ihn zu fragen.
 
            „Hast du mir geschrieben dies schöne Gedicht?
            Du schreibst noch wie in alten Zeiten.“
           „Na ja. Ich versuch’ es. So schön ist es nicht.
            Ich sollte das Schreiben vermeiden.“
 
            Ihr Besuch geht zu Ende, sie muss nun geh’n.
            Am Fenster ein Winken der Hände.
            Diese Stunde tat gut, es war wunderschön.
            Ach, wenn sie ihn doch mitnehmen könnte.
 
            Nächsten Sonntag kommt sie mit einem Blumenstrauß,
            doch am Fenster - sein Platz, er ist leer.
            Traurig, verlassen geht sie langsam nach Haus’,
            denn ihr Freund dort im Heim ist nicht mehr ...
 
 
             Steine im Wasser ...

 

Werfe einen Stein in einen See,
dann wirst du sehen, 
wie sein Aufprall Kreise zieht, 
immer kleiner werdend, 
bis sich das empörte Wasser wieder beruhigt 
und sich allmählich ebnet. 

Auch meine Seele wurde getroffen. 
Unsichtbare Wellenkreise 
toben bis zur unerträglichen Schmerzgrenze. 
Jedoch im Gegensatz des Steinwurfes, 
beruhigen sich die Wellen in mir nicht. 
Sie schlagen dort drinnen 
irgendwo gegen steinige Ufer, 
prallen zurück und wühlen 
den weißen Sand des Meeres auf, 
bis das Wasser trüb 
und undurchsichtig geworden ist. 

Ich weiß nicht, 
wie ich dies alles ertragen werde. 
Auch weiß ich nicht, 
ob sich die Wellen 
einst wieder glätten könnten. 

Menschliche Gefühle sind eben anders, 
als die Gesetze der Natur ... 
 
 Schmetterlingsträume ...

Wenn Schmetterlinge mit ihren Flügeln
sich ganz leicht berühren,
als würden sie sich an den Händen führen,
und wenn sie taumelnd in den Himmel schweben,
weil sie dort nur einen Sommer leben,
dann gaukeln sie mit ihrer kurzen Zeit,
zu uns ganz nah, von uns so weit, so weit.

Wenn sie von Wiesenblumen Nektar naschen,
sich necken und verstecken und sich haschen,
dann möchte ich mich leise zu dir stehlen,
und dich mit meinen Fühlern bisschen quälen,
ganz zart und heimlich auf deinem feuchten Mund.
Möcht’ in die Augen blicken bis auf der Seele Grund.
Ich würde mich ausruhen ziemlich lange,
auf deinem Ohr und auch auf deiner Wange.

Vielleicht würd’ ich sogar in deinem Haar,
ein wenig schlafen, wo ich so lang nicht war. 
Und dann wärst du vielleicht,
man glaubt es kaum,
wie ich ein Schmetterling in meinem Traum,
und ganz allein mit dir würd’ ich genießen,
die Sommerzeit mit ihren Blumenwiesen.
Wenn dann im Herbst die Winde rauer
weh’n,
würd’ ich noch einmal dir in deine Augen seh’n,
und Abschied nehmend würde ich dir winken,
um still und leise im Traume zu versinken ...

 

 

Eine Sonetttrilogie ...

Ein Wunder ist in mir, fast wie ein Schweben,
Es trägt mich fort, in eine and're Zeit,
und irgendwo, weit fort von hier, so weit,
erlebe ich mein spätes, neues Leben.
 
Mir ist, als würde ich auf neuen Wegen
hinwandern, mitten drin im Sonnenlicht,
und müde werden, nein, das will ich nicht,
jedoch ins Gras, möcht’ ich mich schon hinlegen.
 
Am blauen Himmel möcht’ ich Wolkenschafe zählen.
Eins, zwei, drei, vier. Hab’ ich mich gar verzählt?
Ein jedes Schäfchen ist für mich ein Traum.
 
Es werden doch nicht etwa welche fehlen?
Ich zähle nach, ob nicht eins fehlt,
sie ziehen fort, dort durch den Sonnenraum.
 
                            2.
Ich sehe, wie sie langsam von mir ziehen.
Dort auf der Wiese hab’ ich nachgedacht,
warum mit einer unsichtbaren Macht
die Wolkenschafe aus meinem Blick entfliehen

Warum die Sonnenstrahlen am Abend untergehen,
auch diese Frage hab’ ich mir gestellt.
So rätselhaft ist es auf dieser Welt
ach, könnte ich sie besser noch versteh’n.

Ich frage mich, warum in meinem Herzen,
die Sehnsucht klopft, als wäre ich noch jung,
Es ist, als wär’ in mir ein Traumgewebe,

und warum brennen in mir tausend Kerzen?
Warum glüht in mir noch Begeisterung,
und warum ist mir so, als ob ich schwebe?


                              3.

Ich glaub’, die Liebe hat mich so ergriffen. 
Vielleicht bin ich ein alter, dummer Tor. 
Es klingt in mir wie ein Sirenenchor. 
Ein Wrack vielleicht zerschellt an Felsenriffen? 

Vielleicht werd’ ich aus einer Wolke fallen, 
dort unten pralle ich dann auf, so hart. 
Hat mich mein spätes Träumen nur genarrt, 
umfasst es mich mit seinen scharfen Krallen? 

Genug, genug. Ich hab’ genug gelitten. 
Ich glaube nicht an einen Selbstbetrug. 
Ein bisschen Glück wär’ schön, wenn es so bliebe. 

Vielleicht hab’ ich umsonst mit mir gestritten. 
Von meinem Zweifel hab’ ich nun genug. 
Vielleicht gibt es sie wirklich noch, diese späte Liebe ...