Geschichten und Gedichte von Franz Lorber

Sternengeschichten

1.) Unsere Welt ...

Eine Geschichte für kleine und größere Leute ...

Ein alter, sehr kluger Rabe sitzt immer bei Einbruch der Dunkelheit an einem Höhleneingang und beobachtet den Sternenhimmel und immer dann,wenn eine der Sternenschnuppen in seiner Nähe zur Erde fällt, dann schwingt er sich empor, lässt sein heiseres "Krah, krah, krah" weithin erklingen und dann fängt er mit seinem schwarzen Schnabel solch einen Sternensplitter auf, legt ihn behutsam auf einen Felsstein und hört ihm zu, was er zu erzählen hat. Dieses Mal berichtet ihm solch ein Sternensplitter, wie wohl unser Mütterchen Erde entstanden sein könnte. Manchmal sitze ich neben ihm und dann bitte ich ihn: "Komm,  Bruder Rabe, alter Freund erzähle mir wieder eine deiner Geschichten. Es ist immer so schön und interessant, dir zuzuhören." "Was soll ich dir erzählen, krah, krah. Die Sternenschnuppe, welche ich mit meinem Schnabel eingefangen habe, sie erzählte mir kürzlich, wie unsere Welt entstanden sein." Der Rabe setzte sich auf einen hervorstehenden Fels und begann zu erzählen.

"Als es unsere Welt noch nicht gab, schwebten dort oben am weiten Himmelszelt große, helle funkensprühende, feurige Kugeln, die nach allen Seiten große Klumpen hinausschleuderten. Und dann geschah ein großes Wunder! Solch eine Feuerkugel brach auseinander und sie spie einen riesengroßen Brocken hinaus ins unendlich weite Weltall. Viele Jahrtausende raste er dahin, bis er sich berhigte und sich irgendwo nur noch um sich selbst und um einige andere Sternenbrocken drehte und kreiste. Solche Sternenbrocken sind zum Beispiel unsere Sonne und unser Mond. Auch sie haben sich allmählich berhigt und sie zihen nun friedlich mit uns gemeinsam durch's Weltall. Irgendwo dort oben, gibt es nach Aussage des klugen Raben irgendeine übernatürliche Kraft, die uns lenkt und leitet. Die Sternenschnuppe hätte ihm von einem gar wundersamen weiblichen Wesen erzählt, welches dort oben alle Fäden der Natur in den Händen hält. Dieses Wesen soll einst mit den Händen über unseren Klumpen hinweggestrichen haben und dann formte es ihn zu einer großen Kugel. Es schuf Berge, Flüsse, Wälder und Seen und so war wohl unser Erdball, auf welchem wir leben, enstanden. Dieses seltsame Wesen hat in Wirklichkeit noch nie ein Mensch erblickt und nur die Sterne dort oben wissen, wie dies alles entstanden ist. Die Menschen jedoch erdachten sich seltsame Geschichten und viele von ihnen glauben an irgendeine überirdische Kraft und es ist gut so, dass sie einen Glauben haben, denn dies bedeutet zugleich Kraft zu besitzen. Oft stehen die Menschen in den sternklaren Nächten und sie blicken empor in den Himmel, um irgend etwas besonderes zu entdecken. Unser wudersamer Sternenhimmel jedoch schweigt und verhüllt seine Geheimnisse vor uns. Ab und zu huscht wieder eine Sternenschnuppe glühend entlang und dann fliegt mein Freund, der Rabe hin, um einen winzigen Splitter von ihr einzufangen. Ich habe das große Glück, dem Raben zuhören zu dürfen und so will ich seine Geschichte vom Entstehen unserer Welt weitergeben an euch. Es wäre doch schade, wenn sie verloren gingen, dieses Geschichten, oder?

Diese Geschichte ist gekürzt in seiner Urfassung.