Geschichten und Gedichte von Franz Lorber

Wenn sich mein Regenbogen der Erde zuneigt

  

Parkinson ...

 

 

 

 

 

„Halt, stop!“, rief ich meinen Füßen hinterher,

 

 

als sie mir wieder einmal in ihrem Ungehorsam

 

davoneilen wollten. Es ist diese unheilvolle

 

Schüttellähmung, die mich völlig überraschend

 

überfällt. Meine Beine haben sich mit meinem

 

Hirn und mit meiner Seele zerstritten. Ungehor-

 

samer, eigenwilliger Körper! Unfolgsamer !

 

Warum und weshalb willst du meinen Befehlen

 

nicht mehr gehorchen? Manches Mal versuche

 

ich meine Schritte zu lenken und zu ordnen.

 

Körper! Du widerspruchvoller , weshalb willst du

 

deine eigenen Wege gehen?

 

 

 

 

Die letzte Stunde ...

 

 

 

 

 

Er klopft nicht an deine Tür,

wenn er kommt.

Er ist einfach da!
Ungebeten, unerwünscht.

Ganz nah tritt er an dich heran,

legt seine Hand,

 die knöcherne,

auf deine Schulter

  und plötzlich

 wird dir eiskalt um’s Herz,

 alles wird so leicht in dir,

denn deine Lebensuhr

hat aufgehört zu schlagen...

 sie tickt nicht mehr ...

 

 

 

 

 

 

Des Wanderers Abendlied ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mir bleiben nur noch hingeschriebene Zeilen,      

schwarzweißgedruckt.

So versuche ich,

 

meine Sehnsüchte zu stillen,

Balsam,  Salz eingestreutes

in nicht heilende Wunden

und oftmals schmerzend,

wenn mir die Worte fehlen,

die ich malen möchte,

als ob mein Rechner

ein Pinsel wäre und meine Tastatur

die eingetrocknete Farbpalette.

 



 

 




Arm und reich ...

 

 

 

In eine Zeit sind wir hineingeboren,

                                    wo Menschen wertlos geworden sind.

                                    Der Mann, die Frau und selbst das kleinste Kind,

                                    als “Unterschicht”, so hoffnungslos verloren.

 

                                    Geprägt von Armut und bettelnd streckt die Hand,

                                    sich einer Tafel, reichlich gedeckt entgegen.

                                    Verfall’nes Gut ernährt mit Gottes Segen,

                                    ‘Hartz Vier’ geprüft, in diesem reichen Land.

 

                                    Und all die Reichen, in ihrer Schicht weit oben,

                                    sie wissen nicht, wenn’s Armenglöckchen läutet.

                                    Sie ahnen nicht, was Armut-Not, bedeutet,

                                    sie können nur ihr eig’nes Leben loben.

 

                                    Dies Deutschland hat vom Volke sich entfremdet,

                                    denn arm und reich, wie eine scharfe Schere,

                                    zerschnitten - und eine riesengroße Leere,

                                    hat Zukunftsträume in diesem Volk beendet.

 

                                    Was kann sich für den kleinen Mann noch lohnen?

                                    Der Traum liegt von der Wirklichkeit so weit.

                                    Ein Traum im Volk von einer neuen Zeit,

                                    versinkt in vielfach durchlitt’nen Depressionen.

 

 

     






Wenn längst mein Herbstwind weht ...

Ich sollte nicht, wenn längst mein Herbstwind weht,
versuchen wollen, den Frühlingskelch zu leeren.
Denn Honigweine, diese süßen, schweren,
auch der verführerisch auf meinem Tische steht -
ich müsste mich dagegen stemmen, wehren.
 
Ach dieser würzig - süße Rosenduft,
ich atme ihn, er will mich zu sich winken.
Vielleicht werd’ ich im Blütenrausch ertrinken,
betörend warm lockt mich die Blütenluft,
einatmend noch möchte ich darin versinken.
 
Kann sich der Herbst noch frühlingshaft vereinen,
wenn längst die Blätter von den Bäumen fallen
und wenn sie grau geworden ruh’n im Straßenstaub?
Kann meine Sonne spätherbstlich warm noch scheinen
und meine Schritte, die allmählich schon verhallen,
kann ich sie rückwärts lenken, im gefall’nen Laub?

Ob ich den Herzschlag ertragen kann und will?
Ich weiß es nicht, es ist ein ‚Zu Dir schweben’.
Es ist, als wär’ in mir ein völlig neues Leben,
denk ich an Dich, dann wird es in mir still,
als würde ich mein Herzblut für Dich geben.
 
Ach, altes Herz, Du bist mein Widerstreit.
Wenn wie im Wintersturm ich über’s Haupt mir fahre,
dann fühle ich - wie meine schütt’ren Haare,
bedecken sich mit ihrem Winterkleid
und ich erinn’re mich meiner späten Jahre.

Umklammernd noch muss ich bald weiter ziehen.
Ach, Frühlingsduft, mein Sommerwind adieu.
Zu grundverschieden ist wohl uns’re Zeit.

Ich kann es nicht, ich kann nicht von Dir fliehen.
Doch wenn ich Dir in Deine Augen seh’,
dann weint darin meine Vergangenheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Lieber Franz,
vielen Dank für Deine Weihnachtsgrüße. Auch wir wüschen Dir schöne Feiertage, einen Guten Rutsch und  für  das kommende Jahr alles erdenklich Gute.

Die Zeit vergeht immer schneller und wir werden dabei nicht jünger. Dieses und jenes Wehwehchen gesellt sich zum anderen, bei Dir nun leider Parkinson. Es ist schon bewundernswert wie Du trotzdem Deine Homepage aktuell hältst und auch noch Mails schreibst. Wenn auch alles auch nur in „Trippelschritten“ geht, wie Du es schreibst. Egal. Eine Kämpfernatur warst Du ja schon immer.  Und ein großes Ziel hast Du nun vor Augen. In wenigen Tagen schreiben wir das Jahr 2013. Dann wirst Du sagen:  „Nächstes Jahr werde ich 80!“

Wir wünschen Dir Wohlergehen und viel Lebenskraft, lieber Franz. Mach’s gut, bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße senden Dir
Karin und Fritz
aus Bitterfeld

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